Expedition
Cho Oyu 8201m Mai 2006
Vom 25.04.06-30.05.06
nahm Reinhold Kraus Mitglied der Alpingruppe Adonis der Sektion Karpaten
des DAV an einer internationalen Expedition zum sechs höchsten Berg der
Welt teil, organisiert von dem nordamerikanischen Höhenbergsteiger
Veranstalter Summit Climb. Die Aufstiegsroute war die Nordwestseite aus
Tibet(China). Die Besteigung forderte Geist und Körper aufs äußerste,
trotz der perfekten Organisation und der professionellen Leitung von Ryan
Waters USA. Der Weg zum GipfelAus dem chinesischen
Basislager 4900m ging es dann per pedes über riesige Moränenfelder
zuerst in das vorgeschobene Basislager und danach in das Basislager (BL)
auf 5600m, das schon der Österreicher Herbert Tichy der Erstbesteiger,
im Jahre 1954 mit Yaks erreichte. Die Anstrengung beim Gehen der
insgesamt 22 Km war ein erster Vorgeschmack auf das was folgen sollte. Lager 1Erst sind wir zu Lager1
6300m auf- und abgestiegen. Die Aufstiegsroute verläuft mit einer
geringen Steigung neben dem Gyabrag Gletscher, der mit seinen zerklüfteten
Eiswellen (Seracs) die bis zu 20 m hoch sind, begeistert. Dafür braucht
man 2 Stunden Danach ist es vorbei mit der Herrlichkeit! Es folgt der
sogenannte Killerhang mit 40° steilen Flanken der im Geröll und
manchmal im Schnee weitere 3 Stunden hinauf führt. Die Lager werden von
den Hochlagerträger aufgebaut, das heißt sie bringen die Zelten und je
einen Kocher hoch. Die persönlich Ausrüstung muss sich jeder selbst hinauf
schleppen., Schlafsack, Isomatte, Daunenhose, Daunenjacke, die
Hochtourenschuhe, persönliche Apotheke und die Nahrung. Lager 2In einem nächsten Schritt, stiegen wir wieder zu
Lager 1 auf, schliefen dort und setzten unsern Weg zum Lager 2 fort. Da
ich eine unebene Stelle im Zelt erwischte, war meine Nacht nicht die
Allerbeste und ich war froh als es Licht wurde. Zu Begin der Route sind
drei steile Aufschwünge ca. 35°-50° in Eis, die von Fixseilen
gesichert sind, zu bewältigen. Man sichert sich mit einer Steigklemme
an den Fixseilen und geht mit Steigeisen. Diese erfordert viel Kraft,
aber keine besonder Kletterkünste. Es folgte aber ein Eisfall,
eine 100 Hm hohe senkrechte Eiswand, für deren Durchstieg ich 45
Minuten brauchte. Hier ist Allerdings eine gewisse Routine im
Eisklettern und eine gute konditionelle Verfassung vom Vorteil, da es
sonst noch viel mehr Kraft kosten würde, diese Eiswand hochzusteigen.
Das war der Aufstigsteil der mir am besten gefallen hat. Die Sonne
schien kräftig von dem blauen Himmel auf unsere Köpfe und erschwerte
nochmals den Aufstieg. Nicht die Kälte sondern die Hitze, machte uns zu
schaffen. Nach einem kurzen etwas flachern Stück folgt der nächste
Aufschwung um nach acht Stunden das Lager 2 6900m zu erreichen. Nach
sechs Stunden Kopfweh, in dennen ich fast aufrecht im Zelt saß, konnte
ich etwas schlafen. Die Anstrengung beim Aufstieg war hier schon enorm.
Den andern Bergsteiger ging es in nicht besser bezüglich dieser
Strapazen. Mein Gehirn reagierte zum ersten mal mit der Frage, ob diese
Quälerei sein muss, über den Sinn des Bergsteigens in großer Höhe,
wo die Sauerstoffaufnahmefähigkeit und der Gesundheitszustand
ausschlagegbend für den Erfolg sind und nicht etwa besondere
bergsteigerische Fähigkeiten. Es ist meinem Empfinden nach nicht ein
bergsteigerisches Vergnügen wie wir es aus den Alpen kennen. Die Begründung
des Höhenbergsteigens liegt in erster Reihe in der Tatsache, dass man
seinen Willen und Leidensfähigkeit hier ausleben und testen kann und
zweitens den Ruhm des Erreichten zu geniessen. Wer das möchte ist hier
Richtig. Ich wollte es und bereue es auch nicht. Beim Abstieg vom
Lager 2 nutzt man oft den Abseilachter oder den Sherpagriff, bei dem man
das Seil um einen Arm wickelt und das machte richtig Spaß. Da die
Anstrengung nicht mehr so groß ist, nimmt man die Umgebung wahr und
freut sich über die bezaubernde Gebirgslandschaft, geniest die Stille
und die Einsamkeit die hier vollkommen sind. Lager 3In 5 Stunden erreichte
ich das Lager 1, doch eine Magenverstimmung mit Durchfall war die
Ursache einer schlaflosen Nacht. Drei mal musste ich das Zelt
fluchtartig verlassen, Krämpfe plagten mich und der Wasserverlust war
groß. Aufgeben? Jetzt erstrecht nicht! Der Aufstieg am nächsten Tag
ins Lager 2 6900m war die Hölle nach dieser „bewegten" Nacht. Jeder
Schritt war schwer, da mich auch noch ein Stich in der rechten Seite über
dem Becken plagte, doch nach 8 Stunden war ich im rettenden Zelt. Es
folgte eine gute Nacht in der ich schlaffen konnte. Der Weg zum Lager 3
auf 7400m, wo drei Zelte auf einem Felsvorsprung standen, führt über
einen steiles Eis- und Schneefeld, für das ich 4 Stunden benötigte.
Ich war mit Ryan unserem Ghid im Zelt. Wir schmolzen 3 Stunden Schnee um
je zwei Wasserflaschen zu füllen und um ein Nudelgericht vorzubereiten.
Ich weckte Ryan wie besprochen um 1:15 Uhr auf, doch weil er sich nicht
besonders gut fühlte verschoben wir die Gipfelvorbereitungen um eine
Stunde. Ich nahm die Gaskartusche in den Schlafsack, da man sonst Schwierigkeiten
hat, den Gaskocher zum brennen zu bringen. Meine Innenschuh, die
Handschuhe die Wasserflaschen und der Fotoapparat waren auch im
Schlafsack. Vier Uhr in der Früh, in Daunenkleidung angezogen, begann
der Gipfelaufstieg. Die Temperatur war bei ca.–25° und es war
Windstill. Nach einer Stunde Gehzeit folgt das gelben Band, eine
senkrechte Felswand, wo Ryan unser Expeditionsleiter, noch ein Seil
anbrachte und das dauerte eine Stunde. Diese Zeit warteten wir am Fusse
des Felscouloirs ab und dadurch wurden meine Füße trotz den
dreischichtigen Schuhen kalt. Ich spürte sie nicht mehr. Das war nicht
das Beste das uns hier passiert ist. Es folgten weiterhin senkrechte
Passagen, die sehr anstrengend waren. Jeder Schritt war eine Überwindung,
da nach jedem Schritt eine Atempause von 5- 20 Atemzügen nötig war.
Hier in der sogenannte Todeszone gibt es nur noch 33% Luftdruck in Bezug
auf die Meereshöhe. Meine Hände waren mir zwischendurch auch mal
gefroren, da ich immer wieder die Steigklemme benutzen musste.Ich wärmte
sie unter meiner Achsel und konnte dann weiter klettern. Es war trotz
dem geringen Gewicht auf dem Rückenein und trotz des guten Wetters das
sich bei Sonnenaufgang einstellte ein qualvolles gehen. Man fühlt sich
ständig so als sei man am Ende seiner Kräfte. Durch das zählen der
Atemzüge zwingt man sich den nächsten Schritt zu machen. Am
23.05.2006 um 12:30 nach 8:30 Stunden Gehzeit entschied ich mich meinen
Gipfelgang bei 7900m zu beenden, da ich erschöpft und die Zeit
fortgeschritten war. Ich wußte nicht was mit meinen Füssen los ist, ob
mir Erfrierungen drohen. Mir war bewusst, das die meisten Unfälle beim
Abstieg passieren und das an diesem Berg jeder 47 Bergsteiger, in Bezug
auf die Gipfelbesteigungen, den Tod findet. Der Tod eines Deutschen
Bergsteigers von 58 Jahren einige Tage vor unserem Gipfelgang war mir
auch gegenwärtig. Er stolperte beim Abstieg vom Gipfel. Ich benutzte
keinen Sauerstoff, was natürlich den Aufstieg sehr erschwerte und die
Erfrierungsgefahr erhöhte. Ich hatte meine Grenzen erreicht, Grenzen
die ich mir bevor in meinem Hirn festgellegt hatte, Grenzen die nicht
bis an den Abgrund gingen, also kein absolutes Risiko. Dieses Handeln
habe ich auch meinen Freunden zu verdanken, die mir vor dieser
Tour nahelegete, das das Allerwichtigste ist, gesund von diesem Berg zurückzukehren.
Ich möchte mich bei allen Freunden und Bekannten bedanken, insbesondere bei der Alpingruppe Adonis und bei Erich Bonfert und bei meiner Tochter Heike, die mich im Vorfeld moralisch und mit gutem Rat unterstützten und somit meinen Willen diesen Berg zu besteigen stärkten Weiter Infos: Reinhold-Kraus@online.de Reinhold Kraus |