Menschen in Kathmandu 2006

Die 18 Millionen Einwohner Nepals gehören einer Vielzahl ethnischer Gruppen an und lassen sich sprachlich in zwei große Gruppen einteilen. Die tibeto-burmesische Sprache auch Newari genannt und die indo-arische Sprache. Die offizielle Sprache ist Nepali, die Muttersprache von ca. 50% der Bevölkerung. Mit Englisch kommt man fast überall gut voran.
Nepal ist ein armes Land in dem das Durchschnittseinkommen bei etwa $ 60 liegt. Mittlerweile haben alle Kinder die Möglichkeit eine Schule zu besuchen, in der die Uniform Pflicht ist und ein gutes Bild der Schüler abgibt. Allerdings haben wenige unter ihnen nachher die Chance einen Beruf zu ergreifen, da es fast keine Industrie gibt, sondern nur das Dienstleistungsgewerbe und die Landwirtschaft.
In Kathmandu, der Hauptstadt von Nepal, lernte ich drei Schwestern kennen, Sharswzti( 30), Bhagawaty (21) und Sumitra(19) Bhutta, denen ich eine Hausbesuch abstattete um somit unmittelbar etwas über das Leben dieser Menschen zu erfahren. Ich wurde mit Tee und einem Reisgericht bewirtet und auch eingeladen dort zu übernachten, obwohl in jedem Zimmer zwei Personen schliefen unter anderem die Großmutter. Sie kamen vor einigen Jahren vom Dorf nach Kathmandu, damit sie ihre schulische Ausbildung fortzusetzen. Sie bauten eigenhändig ein Appartement um somit keine Miete zahlen zu müssen. Das nötige Geld für das Essen besorgt die ältere Schwester, deren Mann in Dubei arbeitete. Diese Mädchen erzählten mir das sie auch gerne in das gelobte Ausland ausreisen möchten, viele erwähnten dabei Amerika, kennen dieses aber nur aus dem Fernsehen, 42 Programme, wissen nicht viel über das Leben in diesen Schnarrhafenländern. Sie hätten gerne eine „länger" Freundschaft mit mir geschlossen oder fragten mich ob ich sie nicht adoptieren möchte. Leider musste ich Beides verneinen. Partys gibt es keine, außer den religiösen Festen den sie manchmal beiwohnen ohne aber gläubig zu sein. Frauen trinken keinen Alkohol, nicht weil die Religion es verbietet, sondern weil es nicht üblich ist.
Von Manisha(21) und Grisha (17) erfuhr ich bei einem gemeinsamen Essen in einem der vielen guten Restauraanten in Kathmandu über die Kastenordnung und über ihr zukünftiges Schicksal. Die Kastenordnung hat ihren Ursprung im 12 Jahrhundert, und kennzeichnet eine Städteordnung. Zugrunde liegt auch die wirtschaftliche Tätigkeit der Kastenmitglieder und religiöse Vorstellungen verbieten die Eheschließung zwischen Mitglieder verschiedener Kasten. Es gibt 4 Kasten Gliederungen. Früher lebte die höhere Kaste im Stadtinneren.
Die beiden Mädels erzählten mir, das sie keine Freund haben dürfen und das die Eltern entscheiden wann und mit wem geheiratet wird. Das heißt eine „arrangierte" Ehe. Sie müssen dann den Mann heiraten, den die Eltern auswählen, natürlich aus der eigenen Kaste. Dafür gibt es „professionelle" Ehepartnersucher. Früher durfte sie ihren zukünftigen Mann nur bei der Hochzeit sehen, heute ist auch ein Treffen davor möglich. Eine Ablehnung gibt es nicht. Ich bedauere es, dass diese Mädchen das Liebesleben nie kennehernen und somit um einige der schönsten Gefühle ärmer sind.
Allerdings gibt es in Kathmandu auch die Liebesheirat, bei der nicht ein mal die Kaste berücksichtigt wird. Man trifft in den Bars und Restauraanten als Kunden auch junge Nepalis an, die eine selbstbewussten Eindruck machen. Die Welt wird langsam frei von Zwängen, aber es braucht seine Zeit.
Die Nepali sind friedliche und höffliche Leute, man muss nicht befürchten bestohlen oder betrogen zu werden. Allerdings sollte man mit ihnen handeln, wenn es um den Erwerb von Gütern geht, beim Taxi oder Rischka fahren u.s.w. Natürlich wird man überall angesprochen um als Kunde gewonnen zu werden, doch mit einem „Thank you" ist die Sache erledigt möchte man das nicht.

Reinhold Kraus