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Einmal rund um den Globus (Dez_2006)

Der kürzeste Weg zu dir selbst führt einmal um die Welt. ( Zitat von Richard Hoffmann geb.1938, dt. Fotograf)

Was für manche ein Traum ist, wurde für uns Wirklichkeit. Eine Weltreise! Egin und ich hatten die Weltreise zwei Jahre im Voraus geplant. Unsere Freunde Germana und Bernhard Becker aus Suhl hatten das Samenkorn gelegt, da sie zwei Jahre vorher die USA und Mexiko bereisten und mich mit ihren Erzählungen und schönen Dias überzeugten. Die Idee begann  in den Monaten meiner Krankheit Gestalt anzunehmen und Egin war begeistert, als ich mit der Nachricht nach Hause kam, dass mein Antrag auf ein Sabbatjahr bewilligt worden sei. Bis zum Tage unseres Abfluges bemühte ich mich, „normal“ zu leben, d.h. meinem Alltag wie eh und je nach zugehen.

Drei Kontinente bereisten wir ein Jahr lang (vier waren angedacht): Nord-, Mittel- und Südamerika, Asien und Europa. Diese große Reise erfolgte teils mit unserem alten VW Bus und teils mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Zwei feste Ziele hatten wir vor Augen, als wir am 5.08.04 in Frankfurt ins Flugzeug stiegen: Halifax in Neuschottland/ Kanada und Mendoza in Argentinien. Alles andere ergab sich von selbst. Wir ließen uns auf ein Abenteuer ein, ohne zu wissen, ob wir als Vegetarier überall das für unsere Gesundheit Notwendige finden werden, wie viel Geld wir brauchen werden, wo wir übernachten werden, u.a.m. Doch unser geistiges Gepäck war bestückt mit vielen wunderbaren Sachen wie Gottvertrauen, Mut und Zuversicht und vielen, vielen guten Gedanken und guten Wünschen von Verwandten, Freunden und Nachbarn.

 In Halifax wartete unser kleines, vierrädriges Heim auf uns, welches wir drei Wochen vorher eingeschifft hatten. Wir durchfuhren zehn Provinzen Kanadas und legten dabei von Ost nach West, vom Atlantik zum Pazifik mehr Kilometer zurück, als von Norden nach Süden, von Fairbanks/Alaska bis an die Grenze von Mexiko.

 Als erstes erkundeten wir den N Neuschottlands, wo wir den Cabot Trail befuhren, die wohl schönste Panoramastraße entlang der Küste in dem Cape Breton Highlands NP. Sowohl hier als auch in Neufundland hatten wir immer Ausblick auf den Atlantischen Ozean und auf den Golf von St. Lorenz. Die Steilküste der Insel mit den tief ins Landesinnere dringenden Fjorden erinnerte uns an Norwegen. Hier befinden sich die Spuren der ältesten europäischen Siedlung, welche vermuten lässt, dass die Wikinger vor 1500Jahren hier gestrandet seien. Von Caribou setzten wir mit der Fähre auf die rote Prince Edward Insel über. Das rote Asphaltband war Teil des Trans-Kanada Hwy 1, dem wir von Wood Island aus folgten und das uns, mit geringfügigen Abweichungen, durch alle Provinzen führte. Über die Confideration Bridge kamen wir nach New Brunswick. Am grandiosen St. Lorenz Strom liegen die Städte Quebec und Montreal. In Ottawa, der Hauptstadt, besuchten wir unsere neuen Freunde Ken und Carolyn, die wir in Neufundland kennen gelernt hatten. Nun genossen wir vier Tage lang ihre Gastfreundschaft und nahmen jeden gut gemeinten Rat gern an. Ken empfahl uns, eine Kanutour im Algonquin Park zu machen. Sie gehört zu den vielen besonderen Erlebnissen, welche wir auf unserer Reise hatten. Nach S machten wir einen Abstecher zu den berühmten Niagara Wasserfällen und bestaunten die donnernden Wassermassen, welche aus dem Erie See über die Felswand stürzen, deren sehr hohe Dunstsäule und das natürliche Whirlpool des Flusses. Für unsere Weiterfahrt wählten wir die Route entlang des Huron Sees und den Großen Seen auf dem Hwy 17. An der Grenze zu Manitoba stießen wir auf den Hwy 1, der uns nach Winnipeg (Manitoba) führte. An ausgedehnten Wäldern, zahlreichen Seen und großen Mooren vorbei, schlängelte sich das graue Asphaltband durch die Landschaft des Kanadischen Schilds. Da die Hauptreisezeit vorbei war, passierte es, dass wir an manchen Tagen stundenlang Kilometer für Kilometer zurücklegten, ohne dass uns ein Fahrzeug begegnete. Endlos dehnten sich in Saskatchewan die Prärien aus. Die Getreidefelder waren Ende August schon lange abgeerntet, doch luden sie die vielen Zugvögel auf ihrem Weg nach Süden zu einem nahrhaften Zwischenstopp ein. In Edmonton änderten wir unsere Richtung nach Westen und nahmen Kurs nach Norden. In der Provinz Alberta hatte uns der Wintereinbruch überrascht. Schneeregen und Schnee, begleitet von unangenehmen Minustemperaturen, erlebten wir im Yukon Territory und in Alaska (USA). Im VW Bus wurde es erst gemütlich, nachdem wir das Eis innen und außen von den Fenstern abgekratzt hatten und die Standheizung Wärme spendete. Alaska Highway Mile 0 steht auf dem Schild in der 102. Straße in Dawson Creek und weiter ging’s über Watson Lake und Whitehorse nach Dawson City, der berühmt- berüchtigten Goldgräberstadt, wo Jack London auch geschürft hatte.

Wir wollten den legendären Chilcoot Trail begehen, doch der früh hereinbrechende Winter hat unsere Pläne regelrecht einfrieren lassen. Top of the World bedeutete für uns ein Muss und deshalb schlugen wir alle Warnungen in den Wind und wagten es, die vereiste und mit Schnee verwehte Passstraße zu befahren. Das Wagnis sollte uns fast zum Verhängnis werden, denn wir kamen ins Rutschen. Bestimmt schwebte ein Schutzengel über dem mit Sommerreifen ausgestatteten Bus. Unseren Schutzengeln haben wir es sicherlich auch zu verdanken, dass wir gesund und unbeschadet zu Hause ankamen; mit dem glücklichen Gefühl, etwas Wunderbares erlebt zu haben.

Nachdem wir unser nördlichstes Ziel, Fairbanks erreicht hatten, wandten wir uns nach Süden. Ein einmaliger Anblick wurde uns im Denali N.P. geboten.  Breit, mächtig und gut sichtbar beherrschte der Mt. Mc Kinley, der höchste Berg des nordamerikanischen Kontinents, den Park. Im Reiseführer ist zu lesen, dass er nur an 2,5% der Tage des Jahres in seiner vollkommenen Schönheit ohne Nebelhaube zu sehen sei. Über Wassilia am Rande des Kluane Parks entlang näherten wir uns Haines. Von hier nahmen wir die Fähre durch die Inside Passage nach Prince Rupert. Doch das anhaltende Schlechtwetter verwehrte uns die Sicht auf die Umgebung. Es besserte sich erst während unserer Weiterfahrt nach Prince George, wo wir unsere neue Bekanntschaft leider nicht zu Hause antrafen. Also weiter!

Unser Ziel waren die Rocky Mountains. Ob es wohl am Lake Louise immer noch so romantisch ist, wie wir es vor sechs Jahren erlebten?  Wir durchquerten einen Nationalpark nach dem anderen von Nordwesten kommend auf dem Weg nach Vancouver: Mt. Robson Provincial Park, Jasper National P. Banff N.P., Yoho N.P., Revelstoke P.P. Während wir den Icefield Parkway entlang tuckerten, überwältigte uns der Anblick der vielen schneebedeckten Riesen in den Rockys. Erwähnen möchte ich die Rundwanderung um den O`Hara See, in dem sich diese Riesen spiegelten und den Spaziergang zum zauberhaften, verschwiegenen Lake Agnes. In Vancouver wurden wir von unseren Freunden erwartet, welche wir eigentlich nicht allzu gut kannten. Wir wurden von Nutu und Mihaela mit offenen Armen empfangen und knapp zwei Wochen lang genossen wir wohltuende, rumänische Gastfreundschaft nach dem Motto: Mein Heim sei eures! Es tat uns gut, nach zwei Monaten vertraute Laute zu hören und menschliche Wärme zu spüren. Das Gleiche erlebten wir im anderen Vancouver/ USA in Ghitas Haus. An dieser Stelle möchte ich meinen Dank aussprechen, an alle lieben und hilfsbereiten Menschen, welchen wir in dem Reisejahr begegnet sind.

In Nordamerika besichtigten wir mehrere Nationalparks. Im Olimpic N.P. beim Durchstreifen des Hoh Rain Forest kam ich mir wie in einem Geisterwald vor; so bizarr, ja richtig gespenstisch und unheimlich wirkten, die mit meterlangen Flechten behangenen Hemlock und Douglas Tannen im dämmrigen Licht der untergehenden Sonne. Einer Ameise gleich fühlte ich mich am Fuße des General Grant, dem drittgrößten Baum der Welt im Sequoia N.F. Danach folgten der Kings Canyon und der Petrified Forest/ der Versteinerte Wald mit seinen am Boden liegenden, zu buntem Stein verwandelten, Stämmen. Ein Höhepunkt in den Staaten waren die Wanderungen in den einmalig schönen Nationalparks Grand Canyon, Bryce und Zion. Was die Natur in vielen Millionen Jahren im Grand Canyon geschaffen hat, lässt sich mit Worten schwer beschreiben. Mit großem Staunen und ein wenig Befangenheit sogen wir die Farben und Formen, welche diese märchenhafte Kulisse bietet, auf. Wir durchwanderten die Schlucht von ihrem Süd- zum Nordrand und zurück. Um Angel`s Landing im Zion N.P. zu erobern, muss man schwindelfrei sein und einen sicheren Tritt haben. Las Vegas bot uns ein unvorstellbares Kontrastprogramm. Diese unwirkliche, künstliche, in der Wüste gelegene Stadt, war laut und bunt und grell. Ich hatte das Gefühl auf einem anderen Planeten zu sein. Wir erholten uns von dem blendenden Treiben in Carlsbad Beach, wo wir campten und von wo wir einen Abstecher nach San Diego zur Sea World machten.

Die Grenzstadt Tijuana/ Mexiko erweckte in mir das Gefühl, die Flucht ergreifen zu müssen, beim Anblick der ärmlichen, elenden Häuser und der Müll verseuchten Straßen. Wir wussten noch nicht, dass wir in Mittelamerika noch Schlimmeres zu sehen bekommen sollten. Auch an die zahlreichen Kontrollen an den Militärposten sollten wir uns noch gewöhnen. Vergessen war der in der Landschaft herumliegende Plastikmüll, als wir nur die Wellen des Pazifiks vor uns sahen, während wir Baja California durchquerten. Von La Paz setzten wir mit der Fähre nach Topolobambo über und setzten unsere Reise auf der Mex 1( ohne Maut) am Pazifik entlang fort.  Doch vorher machten wir, mit dem Zelt ausgerüstet, einen Abstecher in den Grand Canyon Mexikos, die Kupferschlucht( Barranca del Kobra).  Weiter ging’s an die Playas Mazatlan, Manzanillo, Acapulco, u.v. andere Strände bis in den Golf von Tehuantepec.

In der Laguna Manialtepec stiegen wir am nächsten Morgen in ein Motorboot und schoben uns durch die Mangrovenwälder, um die verschiedenen Vogelarten zu beobachten. Das Baden an Mexikos Pazifikküste an einsamen Palmenstränden oder an der Beach weltberühmter Badeorte wird unvergesslich bleiben. In Pto. Escondido schlugen wir die Straße ins Hochland ein, denn wir beabsichtigten in Oaxaca und Umgebung die Spuren der Zapoteken aufzusuchen und ein paar dominikanische Kirchen aus der Zeit der spanischen Kolonialzeit zu besichtigen. Mächtig breit steht die Zeder von Tule am Rande der Stadt, deren  Alter noch nicht genau festgestellt werden konnte und die einen Durchmesser von 14 m hat. In Puebla erhofften wir, neue Bestandteile für unseren Bus besorgen zu können, der uns schon seit einer Weile Sorgen bereitete. Leider mussten wir unverrichteter Dinge wieder zurückkehren und uns ganz auf die Geschicklichkeit der mexikanischen Automechaniker verlassen. Sie hatten gute Arbeit geleistet, wurde uns in Managua bestätigt.

In zwölf Tagen durchquerten wir die Länder Mittelamerikas auf der CA 1(Centro America 1) bis Panama. Grenze für Grenze ließen wir hinter uns: Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panama. Einmal hin und zurück, lautete unsere Devise. Auf der Rückfahrt, für die wir uns mehr Zeit nahmen, kam auch Belize dran. Hier genossen wir das Aroma der reifen, süßen und saftigen Südfrüchte. In den tropischen Ländern wurde Schwitzen zum Dauerzustand. In jedem Land entdeckten wir etwas, das unser Auge und unser Herz erfreute. Wir erhielten Einblick in den mühevollen und kargen Alltag der Menschen. Viele von ihnen leben am Rande des Existenzminimums.  Später hatten wir in Kambodscha noch viel ärmlichere Menschen und ihre Behausungen gesehen.

Meisterhaft lenkte Egin den VW Bus durch die bergige Landschaft Honduras` und stellte in mehreren Haarnadelkurven sein fahrtechnisches Können unter Beweis. Wir gewöhnten uns immer besser an den in der Landschaft liegenden Plastikmüll. Trotzdem wurde ich geschockt, als ich in Granada, einer alten Kolonialstadt in Nicaragua, Seitenstraßen entdeckte, die mit Müll gepflastert waren. Auch die Anwesenheit der vielen bewaffneten Uniformierten in den Städten wurde zur Selbstverständlichkeit. Unvergleichlich erhaben wirken die grauen Vulkankegel, welche sich oft solitär in der Landschaft erheben. In Costa Rica beobachteten wir  im undurchdringlichen Regenwald mit riesigen Bäumen und dicken Schlingpflanzen den bunten Quetzual, Götter- oder Paradiesvogel, mit seinen herrlichen, langen Schwanzfedern. Wir konnten sie trotzdem nicht fotografieren, die aufdringlichen Kolibris, obwohl sie sich sogar auf meinen Arm setzten, so schnell schwirrten sie umher. In Tikal/Guatemala saßen wir erwartungsvoll im Licht der aufgehenden Sonne auf der höchsten Stufe der Pyramide IX mit Blick über alle Baumriesen und Tempelruinen und lauschten ergriffen den Lauten, welche aus dem Urwald zu uns drangen. Wer Panama hört, denkt bestimmt an den Kanal mit gleichem Namen, welcher den Pazifischen mit dem Atlantischen Ozean verbindet. Spannend wie in einem Krimi verfolgten wir das Navigieren der Schiffsriesen durch die nur 40 m breite Schleuse bei den Miraflores Locks. Weil die Überfahrt nach Südamerika zu teuer war, stellten wir unser Gefährt, das uns gute Dienste geleistet hatte, bei einer Zollbehörde in Panama City unter.

Von hier flogen wir nach Quito/Ecuador und setzten unsere Reise als Rucksacktouristen fort. Von Quito, der Ciudad del midad al mundo, Mitte der Welt, wollten wir nun bis ans Ende der Welt reisen; nach Ushuaia, Ciudad del fine al mundo, in Feuerland. Anfang Februar erreichten wir den südlichsten Punkt der Reise. Selbstverständlich über einige Umwege, die uns gestatteten einen Eindruck von den Naturschönheiten Argentiniens zu bekommen. Per Reisebus, per Flugzeug, per Schiff und per pedes erreichten wir die geplanten Ziele. Nach der Landung besichtigten wir die Hauptstadt Quito. Unter anderem spazierten wir auf der aufgemalten Linie des Äquators und wanderten zur Hütte am Fuße des Cotopaxi. Danach peilten wir Santiago de Chile als Zwischenstopp auf dem Weg nach Mendoza/Argentinien an. Argentinien durchquerten wir von Norden nach Süden und Chile von Süden nach Norden.

 Das Zusammentreffen mit Carmen, Reini und Christian in Mendoza bedeutete uns viel, denn wir genossen eine wohltuende Vertrautheit nach fünf Monaten des Reisens in der Fremde. Gemeinsam wollten wir den höchsten Berg Amerikas- den Aconcagua in den Anden (6964m), besteigen.  In eigener Regie organisiert und von Erfolg gekrönt, stellte diese Expedition einen von vielen Höhepunkten dar.

Ein super komfortabler Reisebus brachte uns von Mendoza nach Pto. Iguazu. Mitten im Urwald schlängelt sich der gleichnamige Fluss, stürzt an der Abbruchkante des Paso del Diabolo 72 m tief und bildet dadurch die weltberühmten Wasserfälle. Da Wandern und Bergsteigen zu unserem Leben gehört, suchten wir im Besonderen Wandergebiete in den Anden auf. Mit dem Flugzeug überbrückten wir die große Entfernung von Iguazu nach Bariloche. Diese deutsche Siedlung war der Ausgangspunkt für einige Wanderungen in der Umgebung und für die Weiterfahrt im Bus quer durch die karge Steppe Patagoniens bis nach Comodoro Rivadavia. Wir setzten die Fahrt entlang der Küste zum Atlantischen Ozean bis nach Rio Gallegos fort. Von hier machten wir einen Abstecher nach Calafate, wo wir den 35km langen, 2km breiten und 10m hohen Gletscher Perito Moreno besichtigten. Darauf fuhren wir auf der Schotterpiste der Route 40 nach El Chalten, um nach zehn Tagen wieder in Rio Gallegos einzutreffen. El Chalten, der Rauchende, wurde der markante Fitz Roy von den Indianern genannt, weil sie seine ständige Nebelhaube irrtümlicherweise für die Gaswolke eines Vulkans hielten. Der Wettergott hatte ein Einsehen, so dass wir auch den spitzen Cerro Torre in den Himmel hineinragen sehen konnten. Um von Rio Gallegos nach Ushuaia zu gelangen, mussten wir mit der Fähre die Magellanstraße überqueren. Der kalte, staubige Steppenwind rieb sich hier mit aller Kraft an den Bergen zu deren Füßen die Stadt liegt.

 Mit dem Flugzeug erreichten wir Punta Arenas/Chile, mit dem Bus Pto. Natales und mit der Fähre nach vier Tagen Puerto Montt. Auf der Fahrt durch das natürliche Kanalsystem an der chilenischen Pazifikküste entlang, bestaunten wir bis ins Meer fließende Gletscher, weiße Bergriesen und beobachteten in der Ferne in die Luft schießende Wasserfontänen; ein sicheres Zeichen für die Anwesenheit von Walen.  In den Orten Pto. Varras, Frutillar, Villarica und Pucon, gelegen im fruchtbaren Teil Chiles, gibt es noch viele Spuren, welche auf eine deutsche Besiedlung in der Vergangenheit deuten. Von Pucon aus bestiegen wir Chiles einzigen aktiven Vulkan Villarica (2850m) und beobachteten vom Rand das feurige Brodeln in seinem Schlund. Im Nationalpark Huequehue wanderten wir durch einen Araukarienwald. Die Araukarien, sehr hohe Bäume mit einer interessant gekerbten Rinde und spitzen, harten Blattnadeln,  gehören zu den ältesten Baumarten der Welt und sind eine Zwischenstufe vom Nadel- zum Laubbaum.

 Danach ging es weiter mit dem Reisebus nach Santiago de Chile und mit dem Flugzeug über Guayaquil/Ecuador, zum Galpagos Archipel. Diese Inselgruppe vulkanischen Ursprungs, welche aus dem Meer geboren, weist eine in der Welt einzigartige Fauna und Flora auf. Wir erlebten eine heile Welt: viele Tierarten leben hier ohne Furcht vor den Menschen. Beim Schnorcheln in verschwiegenen Buchten mit glasklarem Wasser konnten wir uns vom Artenreichtum der Fische überzeugen. Obwohl ich gegen meine Seekrankheit ankämpfen musste, war das der krönende Abschluss der unvergesslichen Erlebnisse in Südamerika.

Danach holten wir den VW Bus ab, durchquerten Mittelamerika ein zweites Mal, machten einen großen Schlenker über die Yukatan Halbinsel, wobei wir Belize einbezogen, und verschifften ihn in Veracruz/Mexiko. Auf der Halbinsel wandelten wir auf den Spuren der Mayas. Wir waren beeindruckt von der Kultur dieses vorkolumbianischen Volkes, welches in Stadtstaaten organisiert war und eine kalendarische Zeiteinteilung besaß. Wir hatten die Ruinen ihrer Kultstätten in Tical/Guatemala, Tulum, Kobra, Chichen Itza, Uzmal, u.a. besichtigt; zum Teil sehr gut erhaltene Pyramiden und Tempel mit hervorragenden Reliefs und Ornamenten des Gottes Chac-Mol geschmückt. Eine Woche lang hielten wir uns in der meistbevölkerten Hauptstadt der Welt auf: Mexiko City. Mit etwas Zurückhaltung betraten wir das Pflaster dieser Weltstadt, doch sehr bald wandelte sich diese in echte Begeisterung um.

Unser längster Flug führte uns von Mexiko City nach Asien. Nach 29 Stunden landeten wir in Hanoi/Vietnam, wobei wir den Globus halb umrundet hatten. Interessanterweise verspürten wir keine Müdigkeit, aber der Flug über die Datumsgrenze machte sich an den darauf folgenden Tagen bemerkbar. Auf diesem Kontinent bereisten wir noch Nepal, Iran und die Türkei. Zum ersten Mal betraten wir Asien und lernten asiatische Denkweise in Vietnam kennen. Der Tourismus steckt noch in Kinderschuhen, aber es sind Bestrebungen erkennbar das sehr schnell zu ändern. Zu bieten hat das kriegsgebeutelte Land sehr viel: Meer und Berge, das Mekongdelta, alte Paläste und Tempel, von denen manche zu Wallfahrtsorte sind. Vier Tage lang besichtigten wir die Ruinen der auf einer großen Fläche verteilten Tempelanlage von Angkor Wat, der alten Hauptstadt des Königreichs Kambodschas.

In Nepal beeindruckte uns nicht nur die majestätische Kulisse der Bergriesen im Solokhumbu Tal sondern auch die leise und unaufdringliche Gastfreundschaft der Sherpas. Große Achtung empfand ich für ihre Lebensweise im Einklang mit der Natur. Bei strahlendem Sonnenschein bestiegen wir die Aussichtsberge Gokio Ri und Khalapatar, von wo aus wir den höchsten Berg der Erde in seiner mächtigen, herausragenden Schönheit bewunderten, den Mt. Everest.

Die  vielen schwarz gekleideten Frauen und Mädchen in den Straßen Irans riefen einen etwas befremdlichen Eindruck bei mir hervor. Vermutlich weil der Anblick ungewohnt war. Nach sehr kurzer Zeit stellten wir jedoch fest, dass Fremde willkommen sind. Des Öfteren wurden wir auf offener Straße mit einem geflüsterten Welcome to Iran begrüßt oder sogar in ein Gespräch verwickelt. Unsere Fortbewegungsmittel waren das Taxi, mit und ohne Klimaanlage, der Reisebus, das Flugzeug und die Bahn. Wir unternahmen Wanderungen im Elburz Gebirge, besichtigten zahlreiche Moscheen in den Städten Isfahan, Ahvaz, Shiraz, Yazd und Mashad, sowie 2000 Jahre alte historische Stätten, welche uns über die Geschichte des Persischen Reichs erzählten. Eine Woche lang genossen wir die besondere Atmosphäre der alten Metropole Istanbul. Die Lage am Wasser, über zahlreiche grüne Hügel verteilt und der Anblick ihrer Kulisse mit vielen großen Moscheen und schlanken Minaretten verführten mich zum Träumen. Natürlich mussten wir den dichten Verkehr und die vielen, vielen Menschen in den Straßen und den damit verbundenen Lärm auch verdauen. Trotzdem ist Istanbul eine Reise wert.

 Mit dem Reisebus ging’s für zwei Tage nach Varna/Bulgarien, und mit dem Nachtzug nach Bukarest/ Rumänien. Nach einem dreiwöchigen Aufenthalt in dem Land, wo unsere Wurzeln liegen, fuhren wir im Reisebus und mit der Bahn über Prag Richtung neue Heimat. Unvergesslich wird der Ausblick vom Hradschin, dem Burgberg mit dem Veitsdom, über die Dächer der goldenen Stadt bleiben.

In Berlin wartete unser treuer Bus auf uns. Trotz seinen 15 Jahren und knapp 300 Tausend Kilometern auf dem Buckel hielt er bis zum letzten Kilometer durch, so dass wir pünktlich nach einem Jahr, am 05.08. 05 vor unserem Haus vorfuhren.

Die Bilanz unserer Reise lässt sich hören bzw. lesen: 40000 km mit dem Bus zurückgelegt, 17 Flüge gut überstanden, 21 Länder bereist und 15 Hauptstädte gesehen, davon 10 besichtigt, 9 Berge über 3000m hoch bestiegen, 4000 Fotos und Dias gesammelt- und gesund und wohlbehalten zurückgekehrt. Ja, und natürlich unzählig viele Erinnerungen an Begegnungen mit Menschen, an landschaftlich einmaligen Naturschönheiten, an Augenblicke des Freiseins, an…

Ich möchte meinen Bericht mit einem Zitat schließen: „Trinket Augen, was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluss der Welt.“

Unsere Reise im Überblick; von Karin Scheiner.

 

Höhepunkte unserer Reise

16.12.04
Wir sind nun schon vier Monate unterwegs. Am 12.12 04 besuchten wir el Ciudad del Mundo in Ecuador. Eigentlich ist es keine Stadt, sondern ein großer Platz außerhalb von Quito, aber ein ganz besonderer;  Dort befindet sich auf dem Asphalt gemalt eine Linie, auf der bin ich spazieren gegangen.

 Es ist der Breitengrad 0 0 0 besser bekannt unter dem Namen Äquator.

Wir sind in der Mitte der Welt angekommen, auf unserer reise durch die Welt, welche in Halifax/Neuschottland begann. Unser VW-Camping Bus, den wir per Schiff vorausgeschickt hatten, wartete am 6.08. bereits dort, um von uns abgeholt zu werden. Er ist unser bewegliches, bescheidenes Heim, welches uns von Ort zu Ort, von Land zu Land fährt.
Nachdem wir alle 12 Provinzen Kanadas durchquert hatten machten wir einen Abstecher nach Alaska. Die Wassermassen der Niagarawasserfälle mit ihrer riesigen Dunstsäule haben uns sehr fasziniert. In Alaska planten wir einige Wanderungen ein. Wir wollten den Spuren der Goldgräber folgen und den legendären Chilcoot Trail begehen. Doch der zu früh einbrechende Winter hat unsere Pläne regelrecht einfrieren lassen. Ein einmaliger Anblick wurde uns im Denali National Park geboten. Breit und mächtig und gut sichtbar beherrschte der Mt. Kinley, der höchste Berg des nordamerikanischen Kontinents, den Park. Im Reiseführer ist zu lesen, dass er er nur an 2,5% der Tage des Jahres zu sehen sei. Wir wendeten unseren Bus südwärts und fuhren durch die U.S.A. entlang des Highway 1. Ein Höhepunkt in den Staaten waren die Wanderungen in den einmalig schönen Nationalparks: Grand Canyon, Bryce und Zion.
Nach Mexiko kamen die Länder Südamerikas an die Reihe. Grenze für Grenze liessen wir hinter uns. In den tropischen Ländern wurde Schwitzen zum Dauerzustand, dem auch das Baden an romantischen Palmenstränden kaum Abhilfe leisten konnte. Nun, da zu sein, wo sich der Breitengrad 0 0 0 mit dem Längengrad 78 27 8 schneidet, war eines der vielen besonderen Momente, welche wir auf unserer Reise erlebten.

 

Liebe Grete, der Bericht ist noch nicht fertig, Fortsetzung folgt. - Grüße Karin

21.12.04

Die Gefühle und Gedanken, welche mich in solchen Augenblicken überwältigten kann ich schwer in Worte kleiden. Es ist ein Glücksgefühl, dass ich etwas Besonderes erlebe und Dankbarkeit, dass Egin und ich diese außergewöhnliche Reise erleben können. Das gemeinsame Staunen und Stille werden beim Anblick der Schönheit und Erhabenheit der Naturwunder dieser Erde waren oft ein Ausgangspunkt zu einem längeren Gespräch mit uns wildfremden Menschen. Die zahlreichen Begegnungen mit Leuten in den verschiedenen Ländern haben unsere Reise sehr bereichert. Immer wieder wurde uns eine freundliche, manchmal wie selbstverständlich wirkende Hilfeleistung zuteil. Natürlich waren wir immer wieder überrascht davon, aber wir freuten uns auch jedes mal darüber. Von Quito flogen wir nach Santiago de Chile und von dort fuhren wir mit dem Bus nach Mendoza/Argentinien. Hier erwartet uns ein weiterer Höhepunkt unserer Reise:
 Die Besteigung des höchsten Berges Südamerikas- des Aconcagua.
Dieses Abenteuer werden wir zusammen mit sechs anderen Bergsteigern der Adonisgruppe angehen. Egin und ich haben eine Woche lang Eingehungstouren in diesem Gebiet unternommen, um uns an die Höhe zu akklimatisieren. Es ist uns gelungen den Cerro Penitentes (4352m) zu besteigen, der uns bei einem Höhenunterschied von 1700m einiges abverlangt hatte. Unsere Freunde sind eingetroffen. Auf zum nächsten Abenteuer!

Viel Glück fürs neue Jahr!

29.01.05

Hallo, liebe Freunde.

Wir haben unsere Reise nach der Besteigung des Aconcagua in Mendoza fortgesetzt. Von dort sind wir mit einem Reisebus über Tucumana,...nach Puerto Iguazu gefahren, wo wir die fantastischen Wasserfälle gesehen haben. Weil mir dir 36 stündige Fahrt gar nicht bekommen hat, sind wir über Buenos Aires nach Bariloche geflogen. Hier, wo sich vor etwa 100 Jahren Deutsche niedergelassen hatten und es heute noch eine dt. Schule gibt, haben wir wunderschöne Wanderungen unternommen. Wir haben San Martin de los Andes besucht, das an den Siete Lagos- Sieben Seen liegt und ähnlich wie Bariloche den Eindruck vermittelt, man sei in der Schweiz oder in Südtirol. Zurück nach Bariloche sind wir in den Bus gestiegen und nach einer 27 stündigen Fahrt in Rio Gallegos ausgestiegen bzw. Zwischenstation gemacht. Unser eigentliches Ziel hieß Calafate, wo wir den größten Talgletscher in Argentinien gesehen haben. Von hier einen Katzensprung weit entfernt - 4 Std.  zum Teil auf Schotterpiste- sind wir Nach El Chalten gefahren. Hier haben wir Wanderungen unternommen, um die berühmten Berge Fitz Roy und Cerro Torre zu sehen. Fitz Roy heißt El Chalten in der Indianersprache - der Rauchende, weil er fast ständig von einer Nebelwolke umhüllt ist. Heute Nacht um 2.00 Uhr morgens fahren wir nach Ushuaia, Feuerland. Ich habe an einige von euch Briefe mit Fotos geschickt. Bitte, bestätigt ihre Ankunft in Deutschland. Danke.
 Alles Liebe und Gute von Karin und Egin

15.02.05

Ushuaia, Argentinien, am Ende der Welt haben wir mit dem Flugzeug verlassen und sind in Punta Arena gelandet. Mit einem Transferbus sind wir am gleichen Tag nach Puerto Natales gefahren, denn dort sollte das Abenteuer beginnen. Wir hatten nämlich eine Schiffspassage durch die Kanäle des Pazifiks gebucht - eine Art Insidepassage entlang der südamerikanischen Küste. Dieses mal hatten wir großes Glück: Die Sonne schien 3 Tage lang. Wir konnten die Landschaft bewundern und auch den Schwanz eines Wals beobachten und mehrere Wasserfontänen. In Puerto Montt/Chile angekommen, sind wir gleich weitergefahren nach Pto. Natales. Von hier aus haben wir schöne Wanderungen ins Gebiet der Seen unternommen. In der Gegend von Pucon haben wir den aktiven Vulkan Villarrica bestiegen, der mit kleinen Eruptionen die Zuschauer in Atem hielt. Mit dem Bus sind wir nach Santiago weitergefahren und am nächsten Morgen mit dem Flugzeug nach Guayaquil/Ecuador. Da sind wir eben gelandet.
Alles Gute von Karin und Egin

08.03.05

Hallo, liebe Freunde,
 wir sitzen wieder in unserem Bus
und bewundern durch seine Fenster, was es so auf Gottes Erden alles gibt. In Panama-City haben wir ihn vom Zollamt abgeholt und befinden uns nun Auf der Rückfahrt durch Mittelamerika. Nun lassen wir uns mehr Zeit und sehen uns genauer um. In Panama haben wir einen Tag am Pazifik verbracht und danach sind wir in die Zentralkordilleren gefahren - Santa Fe, heißt der Ort. In Costa Rica haben wir in einer Finca im Regenwald übernachtet, wo wir am nächsten Morgen zu einer Vogelbeobachtung gegangen sind. Es war sehr aufregend, den Quetzual, so heißt auch die Währung in Guatemala, zu beobachten. Weiter auf der Panamerican 1 haben wir Nicaragua durchquert. In Estoli gibt es ein Zentrum, in dem Jugendliche auf sehr praktische Art und Weise zum Begreifen von physikalischen Gesetzmäßigkeiten herangeführt werden. Auf diesem Wege soll ihnem das Lernen schmackhaft gemacht werden und das verstehen erleichtert werden. Nun sind wir in Honduras, in Comayagua, und werden Morgen nach Guatemala einreisen. Die Hauptstadt, Teguchigalpa, haben wir umfahren. Sie hat auf mich den Eindruck eines riesigen Dorfes, verteilt auf 7 Hügel - oder mehr -  gemacht. Unglaublich! 
Grüße von Karin und Egin

23.03.05

Frohe Ostern nach Dl. wünschen Karin und Egin!

Habt ihr schon mal von Belize gehört?
Wir jedenfalls
nicht, bis wir uns der Grenze dieses kleinen Landes genähert hatten. Anscheinend ist es Engl. Kolonie, denn der Kopf Elisabeth 2 ziert die Geldscheine. Unglaublich viele Kirchen und Schulen sind uns hier aufgefallen. Die Menschen, welche wir auf den Strassen der Hauptstadt mit gleichem Namen gesehen hatten, haben uns veranlasst nur kurz da zu verweilen. Die Menschen in Nicaragua und Honduras gehören mit Sicherheit zu den ärmsten der Welt. Viele leben in menschenunwürdigen Behausungen, in einer Umgebung, die von Unmengen Müll verseucht ist. Auch die Teguchigalpa, dei Hauptstadt Honduras hat auf uns niederschmetternd gewirkt.

In Guatemala fuhren wir auf den Spuren der Maya nach Quiringua und Tikal. Wir waren beeindruckt von der Kultur dieses vorkolumbianischen Volkes, das in Stadtstaaten organisiert war und eine kalendarische Zeiteinteilung besaß. Wir haben die Ruinen ihrer Kultstätten besucht; zum Teil sehr gut erhaltene Pyramiden und Tempel. 

In Mexiko setzten wir unsere "Forschungen " auf dem Gebiet der Maya fort und besichtigten Chichen-Itza, Tulum an der Karibischen Küste, Coba und Uxlum auf der Yukatan Halbinsel. 

Selbstverständlich haben wir im Golf von Mexiko gebadet und jetzt sitzen wir in Verakruz und mailen. Unseren Bus haben wir heute verzollt, der wird nach Dl. verfrachtet. Danach sind wir wieder Rucksacktouristen. Wohin es weiter geht, erfahrt ihr das nächste Mal.
Grüße von Karin und Egin

 

26.03.05

Der Kreis schließt sich.

Als Rucksacktouristen starteten wir in Quito unsere Reise nach Südamerika. 
Unseren Bus hatten wir in
Panama City untergestellt. Von der ciudad del mundo - der Mitte der Welt, wollten wir nun bis ans Ende der Welt reisen.

Anfang Februar erreichten wir Ushuaia, am Südzipfel Patagoniens. Selbstverständlich nicht auf unmittelbarem Weg. Per Reisebus, per Flugzeug, per Schiff und per pedes erreichten wir die geplanten Ziele. Mit dem Flugzeug nach Santiago de Chile und mit dem Bus nach Mendoza näherten wir uns dem Aconcagua; unser einziges fest vorgeplantes Ziel in Deutschland. Darüber hatte ich ausführlich berichtet. Das Zusammentreffen mit Carmen, Reini und Thomas, genannt Puma, bedeutete uns viel, denn wir genossen eine wohltuende Vertrautheit nach fünf Monaten des Reisens in der "Fremde". Egin und ich beschlossen danach weiter Argentinien zu bereisen. 

In einem superkonfortablen Reisebus verließen wir Mendoza und kamen nach 36 Stunden Fahrt in Puerto Iguazu an. Ich litt unter starker Übelkeit und brauchte nach unserer Ankunft fast einen ganzen Tag, um mich davon zu erholen. Mitten durch den Urwald fließt der Fluss Iguazu, stürzt dann an der Abbruchkante des Paso del Diabolo 72m tief und bildet dadurch die weltberühmten Wasserfälle. Auf eine Breite von fast 2km verteilt schießt das Wasser mit ohrenbetäubendem Krach über Terrassen in die Tiefe. Der üppige Wuchs und das satte Grün der Pflanzen, sowie die leuchtenden Farben der Blüten lenkten unseren Blick immer wieder von den rauschenden und gischtsprühenden Wassermassen ab. 

Mit dem Flugzeug via Buenos Aires landeten wir in Bariloche, dem wichtigsten Urlaubsort im Land. Vor 100 Jahren ließen sich Aussiedler aus Chile und deutsche Aussiedler am Ufer des Sees Nahuel Huapi nieder und gründeten Bariloche. Die Gemeinschaft "Colonia Suiza" und der Baustil der Häuser zeigen, dass auch Schweizer hier eine zweite Heimat gefunden haben. Mit den hohen Bergen und den vielen Seen erinnert diese Gegend landschaftlich an das Voralpenland. Uns hat die Kunde von interessanten Bergwanderungen hierher gelockt. Als Eingehungstour bestiegen wir den Cerro Otto und danach unternahmen wir eine Zweitageswanderung zum Cerro Negro. Wir wurden nicht enttäuscht. Auf den Busbahnhöfen fielen wir mit unseren großen Rucksäcken gar nicht auf, denn in Argentinien waren  Ferien und viele junge Leute fuhren in die Berge zum Zelten.

In Calafate und El Chalten- Patagonien-am Fusse der Anden- kostete es uns deshalb viel Mühe eine preiswerte Unterkunft zu finden. Perito Morno wollten viele sehen; den riesigen Gletscher, der den größten See des Landes, den Lago Argentino, mit Wasser speist. Auf der Schotterpiste der Route 40 von Calafate bis El Chalten schluckten wir eine Menge Staub. Der Cerro Torre und der Fitz Roy alias El Chalten, zwei imponierende Felstuerme, aus der Bergliteratur wohlbekannt, lockten viele Wanderer an. El Chalten,der Rauchende, weil der ständig von Nebel umhüllte Felsturm von den Indianern für ein Vulkan gehalten wurde. So heißt auch die Stadt, die im Jahr 1985 gegründet wurde. Heftige, staubige Winde fegen ununterbrochen durch die Straßen der Städte und kleinen Ortschaften Patagoniens. 

Die nächste Mammutetappe von 29 Stunden mit dem Bus aus El Chalten bis ans Ende der Welt überstand ich besser. Die Stadt Ushuaia beansprucht für sich den Titel - ciudad de fin al mundo - die Stadt am Ende der Welt. Auf den Strassen tummelten sich Touristen aus aller Welt. Das Haus "Carmen" beherbergte Reisende aus drei verschiedenen Ländern Europas: Frankreich, Deutschland und Italien. Da jeder ein wenig Spanisch sprechen konnte, unterhielten wir uns hauptsächlich in der Sprache des Gastgebers: auf Spanisch. Da wir nun am Ende der Welt angekommen waren und mit Reinhold Messner, der den Südpol erreicht hatte, nicht konkurrieren wollten, kehrten wir um.

Wir bestiegen Fähre Navimag in Puerto Natales und schipperten drei Tage lang durch das Kanalsystem an der chilenischen Pazifikküste entlang nach Puerto Montt. Wal in Sicht! Bei diesen Worten des Kapitäns sprangen alle Passagiere wie elektrisiert auf und rannten ans Deck. Und was gab's zu sehen? Wasserfontänen, die uns wissen ließen, dass dort, weit weg ein Wal schwamm. Hier, im fruchtbaren Teil Chiles, gibt es viele Spuren, die auf eine deutsche Besiedlung in der Vergangenheit hindeuten. So z.B. sind die Wörter Kuchen, Kindergarten u.a. in den aktiven Wortschatz der Bevölkerung aufgenommen worden. In Pto. Varras, Frutillar und Villarica begegneten wir Menschen, welche die deutsche Muttersprache heute noch pflegen. Ein Besuch wert ist auch der Ort Pucon, Ausgangspunkt für schöne Wanderungen in die Umgebung. Die zahlreichen Reisebüros bieten attraktive und abenteuerliche Aktivitäten für jedermann an. 

Wir begeisterten uns für das Angebot, den Vulkan Villarica (2850m hoch) zu besteigen. Er einzige noch aktive Vulkan in Chile. Die Agentur stellt außer der Fahrtgelegenheit selbstverständlich auch die Ausrüstung bereit. Nach einem Anstieg von 12oo Hm über ewigen Schnee standen wir am Kraterrand und blickten in den feurigen, heißen Schlund,aus dem alle paar Minuten glühendende Lava hochgeschleudert wurde. Das war stark! Keinem anderen Vulkan Südamerikas, in dessen Nähe wir uns aufhielten, Osorno/Chile,Lanin und Tronador/Argentinien, Ctopaxi/ Ecuador, sind wir so nahe auf die Pelle gerückt wie diesem.

Auf der Suche nach den Araukarien, eine der ältesten Baumarten der Welt, schlugen wir unser Zelt in dem Nationalpark Huequehue auf, der etwa 30 km von Pucon entfernt liegt. Es war ein gewagtes Unternehmen, denn wir besaßen keine Schlafsäcke und keinen Kocher. Die Parkrangerin und eine benachbarte Fam. erwiesen sich als gute Geister. Erstere lieh uns eine Decke für die Nacht und für den heißen Morgentee sorgte die Fam. Immer wieder trafen wir hilfsbereite Menschen an und niemals wurden wir enttäuscht. 

Danach ging es mit dem Reisebus weiter bis Santiago de Chile und von dort ein paar Stunden später nach Guayaquil. In der zweitgrössten Stadt und dem wichtigsten Hafen Ecuadors organisierten wir unseren 8taegigen Aufenthalt auf dem Galpagos Archipel. 

Eine Inselgruppe vulkanischen Ursprungs, welche aus dem Meer geboren, eine in der Welt einzigartige Fauna und Flora aufweist. Wir tuckerten mit einem alten, kleinen und lauten Passagierboot von einer märchenhaften Bucht zur anderen. Wenn wir vor Anker lagen, brachte uns das dingi-Beiboot- ans Land. Nun bestaunten wir Blaufusstölpel beim Balzen, Fregattvoegel beim Nisten, Moewen beim Brueten, Galapagos Tauben und Finken, Pelikane, welche im Sturzflug nach Fischen plongierten, u.a.m. Wir beobachteten Landleguane, welche sich träge sonnten und schwarze Meeresleguane, welche über Vulkangestein dem Wasser zustrebten. Beim Schnorcheln tauchten wir mit den Seehunden um die Wette und versuchten ihre eleganten Schwimmbewegungen nachzuahmen. Wir erfreuten uns an den vielen bunten Fischen und gestikulierten aufgeregt, wenn wir einen Hai, eine Wasserschildkröte oder einen Rochen aufspürten. Nicht zu vergessen die größten und ältesten Landschildkröten der Erde im Charles Darwin Institut. Egin und ich erlebten in dieser heilen Welt viele außergewöhnliche Momente. Obwohl ich täglich gegen meine Seekrankheit ankämpfen musste, trifft folgendes Zitat zu:" Trinket Augen, was die Wimper hält,/von dem Überfluss der Welt!" Das war der krönende Abschluss unserer unvergesslichen Erlebnisse in Südamerika. 

Die beiden letzten Tage Aufenthalt in Quito bis zu unserem Abflug nach Panama City nutzten wir für einen Ausflug zum Refugio Cotopaxi(4850m hoch). Auf der anderen Seite des Kanals fanden wir unseren Bus unversehrt vor. 

Liebe Grete, dieser Bericht hat mich viel Mühe gekostet, weil bei der Rechtschreibüberprüfung alles durcheinandergeworfen wurde und ich vieles nachschreiben musste. Ich hoffe, dass er nun auch so gelesen werden kann.
Viele Grüße, von Karin und Egin

 

03.04.05

Einmal Mittelamerika und zurück (in 31 Tagen)
In Mittelamerika fuhren wir durch die ärmsten Länder der Welt und das sogar zweimal, obwohl es nicht so geplant war. Im Dezember vergangenen Jahres eilten wir unserem einzigen geplanten Termin entgegen, nach Mendoza. Weil wir unter Zeitdruck standen, nahmen wir uns nicht die Zeit, uns in diesen Ländern umzusehen.

In 12 Tagen durchquerten wir Guatemala, Honduras, Nicaragua, San Salvador, Costa Rica und Panama auf der CA1 (Centro America 1), der am besten ausgebauten Asphaltstraße. Bloß in Costa Rica war sie mit Löchern gespickt und es war ziemlich anstrengend. Zuweilen, besonders wenn wir die Löcher im Dunkeln zu spät erkannten, nahm Egin gewagte Ausweichmanöver vor.

 Ich beginne mit Panama, weil ich über die Erlebnisse während der Rückfahrt erzähle. Wer Panama hört, denkt bestimmt an den Kanal mit gleichem Namen, der den Pazifischen Ozean mit dem Atlantischen verbindet. Bei den Miraflores Locks (Schleusen) vertieften wir uns in die Baugeschichte dieser Wasserstraße. Sie stellt eine große Erleichterung für die Schifffahrt dar, weil dadurch der Seeweg über das gefürchtete Kap Horn gemieden werden kann. Auf drei Ebenen verteilt, befinden sich die Ausstellungsräume zur Entstehungsgeschichte des Kanals. Interessant fand ich den Simulator einer Kommandobrücke, von wo aus der Betrachter als Steuermann eines Frachtschiffes, dieses durch die nur 40 m breite Schleuse navigieren muss. 

Am Fuße der Zentralkordilleren entlang(Cordillera Central) näherten wir uns Costa Rica. Bergauf bis zu 3000 Hm und bergab führt die CA 1 durch undurchdringlichen Urwald mit riesigen Bäumen und Schlingpflanzen. Hier beobachteten wir den wunderschönen Vogel Quetzal( Paradiesvogel), der auch in Guatemala vorkommt. Dort ist er der Nationalvogel und die Landeswährung hat den gleichen Namen. Als Ortsfremde in San Jose kamen wir uns auf der Suche nach der Anschrift des Bueros Centro Nautico de Centro America wie im Irrgarten vor. Sie lautete: 50m östlich des Restaurants El Paraiso. Wo aber bitte schön befindet sich das Restaurant??? Nach zwei Stunden Durchfragen und nachdem wir dreimal daran vorbei gefahren waren, stießen wir auf den Nachtwächter, den wir auch konsultieren wollten. Der erlaubte uns dann großzügigerweise auf dem Gelände zu übernachten. Es gibt keine Straßenamen in der Hauptstadt Costa Ricas.

Die ärmsten Menschen sahen wir bestimmt in Nicaragua und Honduras. Sie leben in menschenunwürdigen Behausungen, einem Flickwerk aus Holz- oder Blechstücken inmitten von Plastik- und Papiermüll. In Granada(Nicaragua), einer in der Kolonialzeit gegründeten Stadt, habe ich Seitenstraßen entdeckt, die mit Müll regelrecht gepflastert waren. Etwas weniger schlimm sah es bei Margarita in San Benito aus. Sie war unser Fahrgast von der Grenze San Salvadors bis zu ihrem Haus. Margarita, Mutter von sieben Kindern, entpuppte sich als aufgeweckte Person und wir unterhielten uns recht angeregt während der weiten Fahrt. Wir baten sie, uns doch in ihrem Hof übernachten zu lassen. Das ginge nicht, meinte sie, doch sie würde dafür sorgen, dass wir einen Platz kriegten. Bis zuletzt parkten wir den Bus auf der Straße vor ihrem Haus. Sie bat uns ins Haus und wir lernten fünf Kinder und ihren Mann kennen. Ich konnte drei Räume erkennen, welche ziemlich leer und kahl waren. In einem lief ein TV Gerät, aber es gab keine Sitzgelegenheit. Es gab keine Möbel und auf dem Zementfußboden keinen Teppich. Sie behandelte uns sehr freundlich und war sehr besorgt um unser Wohlbefinden. Wir haben gut geschlafen und weil es so schwül war, sogar mit offener Bustüre.(Das haben wir uns später noch öfters geleistet). 

Zahlreiche ausländische Projekte investieren für den Straßenbau in Nicaragua und leisten Entwicklungshilfe für die Erziehung und Bildung junger Menschen. In E.... haben wir ein von Finnland finanziertes Bildungszentrum besucht und waren beeindruckt, mit welcher Sorgfalt es erhalten wird. 

Meisterhaft lenkte Egin unseren VW Bus durch die bergige Landschaft Honduras. Streckenweise erreichten die mit Kiefern bewachsenen Berge eine Höhe von 1900m. In mehreren Nadelkurven stellte er sein fahrtechnisches Können unter Beweis. Die Hauptstadt Honduras, Teguchigalpa, breitet sich wie eine Krake aus, die ihre Tentakel über mehrere Hügel ausstreckt. Das Zentrum- der Leib der Krake- pulst und lebt, während in den vielen Randvierteln- das Ende der Tentakeln- ein ständiger Überlebenskampf geführt wird. Am Straßenrand wurden immer wieder reife Melonen, Bananen oder Ananas zu spottbilligen Preisen zum Verkauf angeboten. Mit Genuss aßen wir, "eingefleischte" Vegetarier, uns oft mit Brot und süssem, saftigem Obst satt. Unser Rekord war eine 5kg schwere Wassermelone, welche wir auf einen Sitz verputzten.

 Die Stadt Castillo de San Felipe in Guatemala ist ein attraktiver Urlaubsort. Mitten im Urwald am Lago Izabal gelegen, bietet er allerlei Abwechslung wie: Kayak, Tauchen, Schnorcheln, Wandern, Beobachtungen in der Natur, u.a.m. In diesem Land begannen wir den Spuren der Maya zu folgen. Mit Hilfe des Kunstführers  DuMont Mexiko vertieften wir uns in die religiöse Kulturgeschichte dieses vorkolumbianischen Volkes der Yukatan Halbinsel. In einem großen Naturpark besichtigten wir zuallererst die Stelen von Quiringua. 16m ist die höchste Stele, welche sehr gut erhaltene Inschriften und Götterdarstellungen aufweist. Beeindruckt war ich von den Opferaltären in Form eines Tierkörpers wie Schildkröte oder Frosch. Die Ruinenstadt Tikal liegt mitten im Urwald ; wie übrigends die meisten anderen. Wir wurden sowohl von der lebendigen Natur, als auch von den stummen Zeugen vergangener Zeiten gefangen gehalten. Es ist eine anstrengende Sache, Pyramiden zu besichtigen. In Tikal führen steile Holzstiegen den Neugierigen Stufe für Stufe bis zum Allerheiligsten, dem Tempel, der auf der obersten Plattform steht. Die Gran Plaza, in deren Mitte ein runder Opferaltar steht, wird von vier großen Tempeln eingeschlossen. Der im Osten stehende Jaguartempel, ist mit 35 Metern der Höchste, darf jedoch leider nicht erklommen werden. Brüllaffen, grüne Papageien,/Guacamayas), Tukane Kolibris und viele andere Vögel, deren Namen wir nicht kennen, erfüllten diese Kultstätte mit Leben. Wir bestiegen den Tempel IV. Die Aussicht über unzählige Baumwipfel hinweg, ließ uns verstummen. Von da, den Sonnenaufgang und das Erwachen der Natur zu beobachten, ist ein Erlebnis ganz besonderer Art. Unvergesslich! Der Kontrast zwischen der lebhaften Unbekümmertheit der herumfliegenden Vögel und der starren Gelassenheit, welche die kolossalen Gebäude ausstrahlten, war großartig. Ich hätte stundenlang auf der obersten Treppe der Pyramide sitzen und einfach horchen können. In mich hinein horchen, und auf die vielen unterschiedlichen Laute, welche von überallher aus dem grünen Dickicht tönten. 

Schon mal was von Belize gehört ? Ein kleines Land, das an der Westküste der Karibik liegt. Da es englische Kolonie war, ist die Landessprache Englisch, und der Kopf von Elizabeth II ziert die Geldscheine. Von all denen, die uns bisher begegneten, haben die Menschen hier, die dunkelste Hautfarbe, und negroide Gesichtszüge. Zwar war der erste Eindruck nach der Einreise ein guter. Wir fuhren durch Orte mit ordentlich bewirtschafteten Höfen und alles wirkte zivilisiert. Aber dieses Bild verschlechterte sich je mehr wir uns der Hauptstadt - Belize - näherten. Sumpfiges Gelände mit großen Wasserflächen dehnt sich zu beiden Seiten der Strasse, soweit das Auge reicht, aus. Deshalb verlaufen auch die Dörfer nur entlang der Hauptstrassen. Die Hauptstadt selbst, war der einzige Ort auf unserer ganzen Reise, der uns veranlasste, vor dem Dunkelwerden die Flucht zu ergreifen. Beeindruckend war aber die Menge der Kirchen und Schulen, sowie die überladenen LKWs, welche die Zuckerrohrernte in die Fabrik fuhren. Danach fuhren wir weiter auf der Yukatan Halbinsel nach Mexiko und folgten auch hier den Spuren der Maya.

 Das ist aber eine andere Geschichte.  

 

06.04.05

Hallo, alle Freunde in Dl!

Eine Woche lang haben wir uns Mexiko City angesehen. Es hat uns gefallen. Am schönsten war der Besuch eines Konzerts von Ars Cantata, ein ausgezeichneter Kammerchor. Wir sind nun in Hanoi, wo wir seid zwei Tagen die Strassen unsicher machen. Nach 29 Stunden, zwei Tage lang, mit dem Flugzeug unterwegs Sein, landeten wir wohlbehalten in Hanoi. Flugroute: Mexiko-City- Houston- Tokio/Narita- Hanoi. Da wir mit der Sonne mitgeflogen sind, hatten wir ständig Tag. Wir hatten auch kein Schlafbedürfnis unterwegs. Aber gestern nach dem ersten Stadtrundgang gingen wir um 18.00 Uhr ins Bett und schliefen bis heute Morgen um 7.00. Es gibt hier Vieles, das uns Europäern total fremd ist. Fasziniert sind wir von den Millionen Mofas die in dieser Stadt unterwegs sind. Wir sind Mofa- Taxi gefahren. Das macht Spass! Die Menschen leben auf der Strasse: Es wird auf der Strasse gekocht, verkauft, gefrühstückt, Mittag gegessen, Tee geschlürft, gequatscht,...An die Gerüche hier muss man sich auch gewöhnen. Wir lassen uns nicht unterkriegen. Ab 1.05. 05 werden wir in Nepal sein und am 1.06.05 in Iran. Hier mit Jacky als Reiseleiter. Wer hat Lust mitzukommen?

Alles Liebe und Gute von Karin und Egin

08.05.05

Ein e- Mail, gesendet aus einer Höhe von 3440m,bekommt nicht jeder.

Also, wir sind in Namche Bazar/Nepal gestern angekommen und hatten heute einen wunderschönen Sonntag mit Panoramablick auf alle bedeutenden Berge des Himalaya. Nach 5 Tagen den ersten mit Sonnenschein. Aber erst mal zurück nach Vietnam. Der Abstecher nach Kambodscha hat sich gelohnt. Von Siem Reap aus, der zweitgrößten Stadt, haben wir an allen vier Tagen die einzigartigen Tempel der alten Hauptstadt Angkor Wat besichtigt. Ein schwimmendes Fischerdorf auf dem größten See des Landes, Tonle Sap, besuchten wir auch. Dabei stellten wir fest, dass es noch viel ärmere Menschen gibt, als in Vietnam. In Saigon erlebten wir die Feierlichkeiten anlässlich des 30.Jahrestages seit Ende des Krieges hautnah. Strassen und Boulevards waren geschmückt mit großen, mittelgroßen und kleinen Fahnen und Spruchbändern dicht an dicht. Am Tag des Aufmarsches schipperten wir allerdings im Mekong Delta herum. Wie der Kampf im Untergrund verlief, erlebten wir hautnah bei der Besichtigung des Tunnelsystems Chu Chi. Wir krochen nämlich auf allen Vieren darin herum, etwa 50m weit, und hatten am nächsten Tag Muskelkater; 80cm hohe und 60cm breite, dunkle Gänge, 15m(2.Etage) tief unter der Erdoberfläche in 3 Stockwerken angelegt. Wir empfanden tiefen Respekt für die Erfindungsgabe und die Opferbereitschaft dieses kleinen Volkes. In diesen Tunnels wurden Waffen geschmiedet, wurden Uniformen genäht und die hier Kämpfenden mit Nahrung versorgt. Von Ho Chi Mhin City flogen wir via Kuala Lumpur/Malaysia nach Kathmandu. Von dort nach 3 Tagen nach Lukla, 2862m hoch, dem Ausgangspunkt für Trekking Touren im Khumbu Tal. Bis zum 23.05.05 werden wir im Khumbu Tal unterwegs sein und am 24.05. 05 nach Kathmandu zurückfliegen. 

Herzliche Grüße von Karin u Egin

24.05.05

Ihr Lieben, ich finde keine Worte, um alle die Eindrücke und Gefühle zu beschreiben, welche in den vergangenen 3 Wochen auf mich eingestürmt sind, weil sie so vielfältig und überwältigend waren.
Also,
schön der Reihe nach- ich versuche es. Wir hatten das schönste Wanderwetter, das man sich nur wünschen kann. Am Morgen strahlend blauer Himmel mit weiter Sicht, gegen Mittag etwas auffrischender Wind und nachmittags an vier Tagen Graupelschauer mit Schneeflocken vermischt. Das hat uns nicht weiter beeindruckt, weil wir dann schon in der warmen, schützenden Lodge saßen. 
Unser Guide Sonam, ein
junger Mann vom Stamme der Sherpa, trug einen Teil unseres Gepäcks und las uns jeden Wunsch von den Augen ab. In den ersten Tagen wog sein Rucksack etwa 20kg, Egins 12kg und meiner 8kg.
Egins Wohlbefinden
schwankte vom ersten Tag unserer Landung in Lukla. Von Lukla aus beginnen die meisten Trekker ihre Wanderungen durchs Solu khumbu Tal im Sarghamantha/Everest National Park. 
Am 7.Tag nach
unserem Abmarsch von Lukla standen wir Am Gipfel des Gokyo Ri 5483m und bewunderten die uns umgebenden Eisriesen; selbstverständlich bei Sonnenaufgang. Ich *hörte* und fühlte die tiefe Stille, die von ihrer Mächtigkeit ausstrahlt. Egin genoss diesen Augenblick auch besonders. Er hatte sich ihn schwer erkämpft, denn das Besteigen des Gipfels hatte ihm große Mühe bereitet, da ihm das Atmen schwer fiel.
Eine Influenza
bahnte sich an, die sich in den darauffolgenden Tagen verschlimmerte und später nur mit Antibiotika bekämpft werden konnte. Dieses hat unsere Päne sehr durcheinander gebracht und nicht nur sie, sondern auch uns. 
Schweren Herzens, nachdem wir eine Pause von 2
Tagen eingeschoben hatten und nachdem wir auf 3700m abgestiegen waren, trennten wir uns von Egin. Er kehrte mit einer Handvoll Antibiotika in Begleitung eines Porters, der seinen Rucksack schleppte nach Namche Bazar zurück und ich wanderte mit Sonam im Hingku Tal aufwärts Richtung Mt. Everest Camp. Von Gorak Shep 5180m aus bestieg ich mit Sonam den Khala Pattar Gipfel 5550m. Was haben wir von hier alles gesehen? Pumori ueber 7000m, Cangtse, Everest, Nuptse. Die genaue Höhe der Gipfel müsste ich noch mal nachlesen. 
Obwohl ich ueber Funkverbindung von Egin
höchstpersönlich erfuhr, dass es ihm besser ginge, konnte ich eine gewisse, innere Unruhe nicht abschütteln und wir kehrten noch am selben Tage um. Die Wanderung zum Base Camp, um von dort den großen Khumbu Eisbruch zu bestaunen, hätte noch einen Tag gefordert. Wir, Sonam und ich, hatten unser Möglichstes getan, um Zeit zu sparen. Für eine Wanderung, für die man normalerweise 4/5 Tagen einplant, hatten wir in 2 Tagen bewältigt. Am 1. Tag 900Hm aufgestiegen und am 2. Tag 1300hm abgestiegen bei einer beträchtlichen Entfernung. 
Alle drei
freuten sich, als wir wieder zusammen waren und Egin ging es von Tag zu Tag besser. Inzwischen ist er wieder guter Dinge, aber mit etwas Wehmut im Herzen... Heute sind wir in Kathmandu gelandet und haben als Erstes ausgiebig geduscht. Übrigens hatte der Preis per Stunde Internet in Namche Bazar uns die Luft mehr abgeschnitten als die Höhe selbst. Nun können wir wieder normal atmen.
In diesem Sinne bis zum nächsten
Mal.

Viele Grüße von Karin und Egin

07.06.05

Hurra, unser Jacky ist da. Und unser junger Freund Nils. Das Reisen macht nun wieder mehr Freude. Nach 2 Tagen Erholung in Kathmandu schnürten wir unsere Wanderschuhe aufs neue und lenkten unsere Schritte nach Pokhara, das am Fusse der Annapurna Range liegt. Nach 50km Taxifahrt stiegen wir aus und wanderten Richtung Ghorepani. Dort befindet sich der Aussichtsberg Poon Hill (3200m) mit Blick auf die Annapurna Gipfel und den mächtigen Daulaghiri/ueber 8000m. Mühsam und ungewohnt war die Wanderung von Dorf zu Dorf, weil wir alle Höhenunterschiede auf Steinstufen bewältigen mussten. d.h. 600m runter über Treppen; 500m steil bergauf auch über Treppen. Und das 4 Tage nacheinander. Manche abschnitte schraubten sich fast senkrecht einer Wendeltreppe ähnlich hoch. Nun erleben wir Teheran und Umgebung. Wir haben einen Ausflug zum Höchsten Berg Irans gemacht: Damavand (5671m) und haben mit Jacky 4900m erreicht. Es liegt noch sehr viel Schnee oben und es fehlten uns die Steigeisen. Es hat trotzdem Spaß gemacht. Heute besuchten wir das Berühmte Juwelenmuseum, in welchem der grösste Diamant der Welt zu sehen ist und andere einmalig kostbare Kunstschätze.

Bis demnächst grüßen Karin  und  Egin

19.06.05

Von Teheran fuhren wir mit dem Bus nach Isfahan. Die schönste Stadt, die wir bisher gesehen haben.
Ein
breiter Fluss durchquert sie, viele Grünanlagen und Parks gibt es hier und natürlich Moscheen.
Der
Meyda-e Imam Platz war, und ist es auch heute noch, das Zentrum des Ortes. Er gehörte zum Palastarreal Shah AbbasIaus safawidischer Zeit. Doppelstöckige Arkaden Rahmen den Platz ein. Unterbrochen werden die Arkadenbogengänge von reich verzierten Moscheen. Hohe, breite, gemauerte Tore, Iwane genannt, laden zum Eintreten in die Moscheen und Paläste ein. Die Wände dieser Gebäude, die Kuppeln und Minarette sind mit bemalten Kacheln und bunten Mosaiken geschmückt: Blumengirlanden, -ranken, Blüten und Vögel sind mit kleinstteiligen Mosaiksteinchen ausgelegt. Ein dunkles Kobaltblau im Kontrast mit Türkisblau ist die alles beherrschende Farbe. Herausragend sind dei Inschriftenfriese in unterschiedlichem Duktus, meist mit weißen Schriftzeichen auf blauem Grund. Das Blau wird ergänzt mit gelb, ocker, weiß oder hellgrün  es ist unbeschreiblich schön. Der Iwan nach N führt zum 5 km langen Bazar, wo reges Treiben herrscht. Am Abend kommen die Iraner auf diesen Platz zum Picknicken. Familien mit Freunden breiten sich auf dem Rasen der Grünanlagen aus und bis nach Mitternacht wird gegessen und geschwätzt. Die angenehmsten Temperaturen herrschen um diese Uhrzeit. Mit dem Flugzeug erreichten wir drei Tage später Ahvaz, am Fuße des Zagros Gebirges und zur Golfregion gehörend. Das heißt Tagestemperaturen von über 40 Grad bei sehr hoher Luftfeuchtigkeit zu ertragen. Von da aus unternahmen wir Tagesausflüge mit dem Taxi nach Susa, der alten Residenzstadt aus der Zeit Darius des Grossen, nach Shushtar und in die Tang-e Sarvak Schlucht. Wir stöhnten unter der fast unerträglichen Hitze und tranken Unmengen von Wasser und Säften. Ein Reisebuss brachte uns nach Kazeroon.

Karin  und  Egin

28.06.05

Über Firuzabad erreichten wir Shiraz in der Provinz Fars. Von dieser Landschaft rührt der Name Persien; aus Pars und den Bewohnern Parsas entstand nach der Eroberung durch die Araber die Bezeichnung Fars. Hier liegt die Wiege Persiens. Shiraz ist bekannt als die Stadt der Rosen und Dichter. Die berühmtesten persischen Dichter sind in dieser Stadt geboren; Hafiz und Saadi. Diese stolze Blume wächst nicht nur in Parks und Grünanlagen, sondern ist auch auf den bemalten Kacheln der Moscheen zu sehen. Dieses war die einzige Stadt, in welcher Egin und ich uns nach Herzenslust satt essen konnten in den 24 Tagen in Iran. Eine in der islamischen Welt sehr berühmte, aber uns weniger sympathische Stadt war Mashad. Sie ist ein Wallfahrtsort der islamischen Gläubigen, welche hierher zum Grabmonument des 8.Imam Reza pilgern.
Ausländern ist es verboten dieses Heiligtum
zu sehen. Wir versuchten es auch, wurden aber ziemlich billig abgespeist. Die Kontrolle beim Eingang ist sehr  streng. Separater Eingang für Männer und Frauen. Man muss alle Taschen und Fotoapparate abgeben. Die Frauen müssen in einen Tschador gehüllt sein. Das ist der schwarze Umhang, den die Frauen hier tragen müssen und der nur die Nase und die AUGEN FREILAESsT.
Ich hatte mir einen im Hotel ausgeliehen,
doch er verdeckte meine Füsse nicht. Die wachsamen Augen der Kontrolle entdeckten meine nackten Zehen und der Eintritt wurde mir verwehrt. Ich wurde am Arm genommen und hinausgeführt auf der Suche nach ein Paar Strümpfen.
Zum Glück standen meine Männer,
Egin, Nils und Jacky, draußen, hatten einen Führer und der winkte ab. Als erstes wurden wir in den Vorführraum gebracht, wo uns ein Videofilm über dieses einmalige Heiligtum informierte. Danach durften wir ein Museum besichtigen, über den Neuen Platz laufen und durch die Fenster einen Blick in eine der Moscheen werfen. Unser Sohn meinte, dass uns nicht einmal 1/10 von dem zu sehen gestattet wurde, was es zu sehen gab. Das Heiligtum ist wie eine Kleine Stadt: mehrere Moscheen gibt es hier, Medresen, zwei Museen, das Grabmal mit vergoldetem Dach, mehrere Minarette...
Es ist sehr schwer, es sich
vorzustellen. Von Mashad aus unternahmen wir Fahrten nach Sakhas, gelegen an der Grenze zu Turkmenistan; zu einigen Karawansereien und der letzte Ausflug führte uns in die alte Hauptstadt in safawidischer Zeit, Nishabur. Während unseres gesamten Aufenthaltes musste ich ein Kopftuch tragen und einen 3/4 langen Mantel. Das ist das Habit der modern denkenden, jungen Mädchen.

Fortsetzung folgt. Karin  und  Egin

12.07.05

Da ich diese Kurzberichte aus der Erinnerung schreibe, kann es passieren, dass sie lückenhaft sind, oder ungenau. Ich bitte alle meine Leser hiermit um Verzeihung. Wir nahmen uns in Istanbul für jeden Tag ein anderes Objekt vor. Am Ankunftstag besuchten wir die Blaue oder Sultan Ahmed Moschee mit den sechs Minaretten, die grösste in der Türkei. Genau gegenüber steht die berühmte Hagia Sofia. Erbaut unter Konstantin dem Grossen als christliche, orthodoxe Kirche, wurde sie nach der Eroberung der Hauptstadt des oströmischen Reiches durch die Osmanen bald in eine Moschee umgewandelt. Die Innenwände bekamen eine Putzschicht, welche die christlichen Bilder verdeckte und zwei Minarette wurden angebaut. Natürlich wurde auch eine Gebetsnische/mihrab/ eingebaut. Vier riesige, runde Holztafeln-7m im Durchmesser- mit arabischen Schriftzeichen preisen Allah als einzigen Gott und nennen die Namen der wichtigsten Kalifen. Im Zuge von Renovierungen wurden jedoch ein paar Mosaike mit Darstellungen der Mutter Gottes und Jesus freigelegt, die wunderschön sind. Der Topkapipalast erschien uns weniger beeindruckend als die Paläste, die wir in Persien gesehen hatten. Vielleicht trug auch der Eintrittspreis dazu, dass wir in der Eisschätzung etwas etwas reservierter waren. Den Besuch des Harems hatten wir nämlich ausgespart. Der Sonntagsausflug mit dem Schiff auf dem Bosporus nach Aghda Kagi war sehr schön, obwohl wir den ganzen Tag nur Kürbiskerne knabberten und Wasser tranken. Auf der Rückfahrt spiegelte sich die untergehende Sonne in den Fenstern der Hauser am Ufer, was toll aussah. Ich werde nur noch das Fathi Museum erwähnen, das einst mal eine Kirche war, weil die in Mosaikarbeit dargestellten Bilder aus der Bibel einmalig schön sind. Nach sechs Tagen verließen wir Istanbul mit dem Reisebus und stiegen in Varna aus. Zwei herrliche Badetage verbrachten wir hier am Schwarzen Meer. Danach bestiegen wir den Nachtzug Varna - Moskau und fuhren nach Bukarest, Rumänien. Zum ersten Mal in unserem Leben lernten wir die Hauptstadt des Landes kennen, in dem wir geboren wurden. Unsere Freundin Ara übernahm 4 Tage lang diese Aufgabe und zeigte uns die schönsten Ecken der Stadt. Vieles muss noch getan werden, um die alten Häuser in altem Glanz erstrahlen zu lassen. Seit dem 8.07. halten wir uns in unserer Geburtsstadt Hermannstadt auf. Es regnet und wir vermissen sehr die sommerlichen Temperaturen. Langsam nähern wir uns unserem zu Hause. Ob wir es bis zum 5.08. aushalten?
Dann würde sich unser Reisejahr
erfüllen. 

Karin  und  Egin

22.07.05

Am Sonntag, dem 3.04.05, machten wir einen Riesensprung über den großen Teich sowohl physisch als auch geistig. Wir legten die laissez-faire Lebensart der Völker Süd- und Mitelamerikas wie einen Mantel innerhalb von zwei Tagen ab und stellten uns in Gedanken auf den asiatischen Kulturkreis um. Mit dem Flug von Mexiko City über Houston und Tokio/Narita nach Hanoi verloren wir einen Reisetag und sind um einen Tag schneller gealtert. Daran ist die Datumsgrenze schuld, der ------- Längengrad. Neunundzwanzig Stunden waren wir unterwegs und das stets bei Tag. Merkwürdigerweise verspürten wir kein Schlafbedürfnis. Zu nachtschlafener Zeit nahmen wir ein Taxi am Flughafen in Hanoi bis zum Hotel; so wie wir das schon öfters gemacht haben. Blos hat uns der Fahrer dieses mal nicht im angegebenen Hotel abgeliefert, was wir erst später bemerkt hatten. Warum wohl? Der Grund dafür waren nicht mangelnde Sprachkenntnisse und daraus resultierende Verständigungsschwierigkeiten sondern die "connections". Ähnliche unsichtbare Fäden wurden immer wieder in geschäftlichen Vereinbarungen mit Touristen gesponnen. Soweit so gut, obwohl uns die Räume zu feucht waren. Da unser Körper eine halbe Woche lang brauchte, um sich den neuen Tageszeiten anzupassen, schlenderten wir schon in den frühen Morgenstunden durch die Strassen der alten Hauptstadt Nordvietnams. Ein vollkommen unerwartetes Bild von Lebensalltag eröffnete sich uns. Er spielte sich größtenteils auf der Strasse ab, genauer gesagt auf dem Gehsteig. Soweit die Gehsteige nicht mit Motorrollern zugeparkt waren, wurde dort von Frauen Gemüse gewaschen, geschält, zubereitet, Reis gekocht, Fisch oder Fleisch zerlegt und gebraten oder Ware zum Verkauf ausgebreitet. Die Männer saßen auf niederen Plastikstühlen, vierbeinigen Schemeln, vor ihrem Laden, tranken Tee aus Minitassen, rauchten, schwätzten oder hockten einfach da. Zur  Mittagszeit wurden niedere Tischchen zu den Hockern dazugestellt, quasi das Straßengasthaus aufgebaut. Kreti und Pleti stippte mit den Stäbchen in den zahlreichen Schüsselchen herum und führte kleine Häppchen zum Mund, anscheinend die unwirtliche Atmosphäre ringsum ignorierend. In etlichen Strassen der Altstadt floss nämlich ein Rinnsal die Gehsteige entlang, in dem sich allerlei Unrat ansammelte und dem manchmal ein unangenehmer Geruch entströmte. Wir waren froh, als wir einige Restaurants ausfindig machten, welche vegetarische Mahlzeiten anboten. Inhaber von Reparaturwerkstätten dehnten ihre Arbeitsfläche auf den Gehsteig aus: Werkzeuge und Bestandteile lagen herum, Motoren wurden gesäubert und Motorroller mit dem Wasserschlauch abgespritzt. Dreht sich in Europa alles ums Auto, so ist es in Vietnam der Motorroller. Die Motorroller beherrschten das Straßenbild. Die meisten Familie besitzen 2-3 davon und sie sind "das" Fortbewegungsmittel für Männlein und Weiblein aller Altersstufen. Die japanischen Marken werden den chinesischen vorgezogen, weil ihre Qualität besser ist, allerdings sind sie auch teuerer. Schalteten die Ampeln auf grün, brauste eine Flut von Zweirädern mit einem ohrenbetäubendem Geknatter und einem enormen Ausstoß von Abgasen los. Für einen Neuling schien es, sein Leben leichtsinnig aufs Spiel setzen zu wollen, bei der Absicht, die Fahrbahn, an nicht Ampel überwachten Kreuzungen, überqueren zu wollen. Die Erfahrung jedoch lehrte, dass das Durchschlängeln im Schneckentempo gefahrlos ist. Einen ungewohnten Anblick boten die Fahrer und besonders die Fahrerinnen. Bei vielen waren nur die Augen sichtbar. Der Mundschutz und das tief in die Augen gedrückte Hütchen, gaben uns Rätsel auf. Erst nach einigen Tagen erfuhren wir den Grund. Einerseits sind sie eine Art Atemschutz vor der großen Luftverschmutzung, andererseits ist das weibliche Geschlecht darauf bedacht, sich Porzellanhaut und Pfirsichteint zu erhalten. Die Gewohnheit er Männer zu spucken oder zu floezen, stieß mich sehr ab. Die hartnäckigen Straßenhändler abzuschütteln, erforderte viel Gleichmut und eine große Portion Sturheit. Bewundert habe ich die fröhliche Geschwätzigkeit der Menschen, ihr freundliches Lächeln im Umgang mit den Touristen sowie ihre spontane Hilfsbereitschaft. Von den touristischen Attraktionen, welche Vietnam zu bieten hat und welche von Hanoi aus zu erreichen waren, wählten wir einen Tagesausflug zur Perfume Pagoda und zur Grotte der buddhistischen Göttin der Barmherzigkeit, Quan Am. Danach buchten wir eine sechs Tagestour im Jeep mit driver and guide. Die Reise führte in den Nordwesten des Landes, wo wir die verschiedenen Minderheiten kennen lernten, die dort leben und den Reisanbau in Terrassen kultivieren. Hier und in den übrigen Teilen des Landes, und nicht nur im ländlichen Bereich, stellt die Frau ihren Mann. Sie ist für den Wohlstand und das Wohl der Familie verantwortlich. Die Farbe der Tracht bestimmt den Namen der hier lebenden Ethnien. In engen Tälern fuhren wir bergab und bergauf durch die Dörfer der Roten Hmong, der Schwarzen Hmong und der Thais. Während einiger Stippvisiten in ihren Häusern konnten wir uns von ihren ärmlichen Lebensverhältnissen überzeugen. Es gibt Dörfer, die einen einzigen Brunnen mit Trinkwasser haben. Der Fluss ist die Lebensader der Gebirgsmenschen. Er liefert das Wasser für die Reisfelder und in den angelegten Teichen leben Fische, essbare Schnecken und kleine Krebse. Im Fluss wird die Wäsche gewaschen und das wöchentliche Vollbad genommen. In den beiden Trabantenstädten Son La und Dien Bien Phu besichtigten wir historische Stätten des heroischen Freiheitskampfes gegen die französische Kolonialmacht. Unser Reiseleiter Shy erzählte mit stolzer Stimme voller Empathie über die geschichtlichen Ereignisse. Bevor wir Sapa, unseren Zielort, erreichten, hielten wir beim höchsten Wasserfall Vietnams an. Der Ort liegt im Norden am Fuße des höchsten Gipfel des Landes, Fansipan 3000m. Die guten Klimaverhältnisse begünstigen den Anbau anderer Kulturen außer Reis und locken sowohl inländische als auch zahlreiche ausländische Touristen an. Wir hatten Pech, denn es regnete und dichte Nebelwolken hüllten die angeblich sehenswerte Landschaft ein. Zehn Stunden dauerte die 400km lange Rückfahrt. Die Geschwindigkeit ist in den Ortschaften oft auf 40km/h begrenzt. Außerhalb konnten wir höchstens 60km/h fahren, der schlechten Strassen wegen und der vielen Motorroller und Fahrrädern, welche die halbe Straßenbreite einnahmen. Mit einem Holzkahn, einer Dschunke, in der Halong Bay zwischen den aus dem Wasser ragenden, felsigen Bergen zu schippern, mag bei Sonnenschein eins der schönsten Erlebnisse sein. Aber bei dunstigem Wetter, das uns beschieden war...  Wahrend dieses Ausflugs bekamen wir den Tipp, uns Angkor Wat in Kambodscha nicht entgehen zu lassen. Wir setzten den guten Rat eine Woche später in die Tat um, und flogen nach Siem Rap, der zweitgrößten Stadt des Landes. Obwohl dieser Abstecher ein ziemliches Loch in unsere Reisekasse riss, begeisterten wir uns für die Architektur der zahlreichen Tempel, welche zwischen dem 2.Jhdt. und 13.Jhdt. in Angkor Wat gebaut wurden. Während ihrer Blütezeit dehnte sich die alte Hauptstadt des Koenigreichs Kambodscha, auf einer Fläche von der Groesse New Yorks aus und es lebten etwa 1 Million Menschen darin. Ich habe etwas vorausgegriffen, denn davor besuchten wir in Vietnam die Orte Hue, Na Trang und Hoi An. In den frühen Morgenstunden fuhr der Nachtzug, den wir in Na Trang bestiegen hatten, in Hanoi ein. Auf unserem Weg zu Fuß zum Hotel lernten wir eine Morgenbeschäftigung der Hanoier kennen: die Morgengymnastik. Jeden Morgen um 5.00 Uhr früh finden sich alle Naturliebhaber und Eiferer der Körperertüchtigung im Park beim See mit der Schildkröte ein. Mit Musik oder ohne, im Gruppenrhythmus oder Solo, im Turndress oder nicht, alle hier versammelten bewegen sich. Kurz nach sechs beginnt sich der Platz zu leeren. Der eingefahrene Ablauf des Alltags kann beginnen. Ich hatte selbstverständlich bei einer großen Frauengruppe, die bei heißen Rhythmen ihre Körperlinie pflegten, mitgemacht. Aus Siem Rap flogen wir direkt nach Saigon, der gewesenen Hauptstadt Südvietnams. Man fühlt und bemerkt den westlichen Einfluss, wenn man durch die Strassen bummelt. Die Vorbereitungen für den anstehenden Feiertag, 30 Jahre seit dem Befreiungskampf gegen die USA, waren in vollem Gange. Rote Fahnen mit gelbem Stern dicht gesteckt und breite Spruchbänder mit inhaltsschweren Zitaten des großen, verehrten Führers Ho Shi Minh, schmückten Strassen und Boulevards. Interessant gestaltete sich der Besuch im Cu Chi Tunnelsystem etwa 50km von der Stadt entfernt. Da wir in die sehr engen Tunnelgänge hineinkrochen, konnten wir am eigenen Leibe erfahren, wie mühevoll es für die Vietkongs war, den Kampf im Untergrund zu führen. In diesem 80cm hohen, 60cm breiten und in drei Ebenen angelegten, unbeleuchteten Tunnelgeflecht lebten sie und bekämpften den Feind erfolgreich aus dem Hinterhalt. Ich hatte am nächsten Tag Muskelkater und schmerzende Knie, weil ich auf allen Vieren 30m weit in einem Tunnelabschnitt gekrochen bin. Der Tagesausflug ins Mekong Delta gestaltete sich eher zu einer Verköstigungstour, als ein Schippern durch die Kanäle, aber es war trotzdem ein besonderes Erlebnis. Wir konnten uns von der Fruchtbarkeit dieser Region überzeugen, denn alle dargebotenen Früchte schmeckten wunderbar. Damit beschlossen wir nach einem Monat unseren Aufenthalt in Vietnam. Am nächsten Morgen setzten wir uns ins Flugzeug nach Nepal. 

Liebe Grete, vielleicht hat die Siebebürger Zeitung ein Interesse den Bericht zu veröffentlichen. Bitte, sende ihn dorthin. Ich wünsche euch einen fröhlichen Bade- und Kletterurlaub am Gardasee. Herzliche Grüße an alle Teilnehmer von Karin. Egin ist am Negoi, trotzdem auch von ihm.

 

aktualisiert:13.01.2007