Elbrus bestiegen
Der Elbrus liegt im Kaukasus und ist mit seinen
5642 m die höchste Erhebung Europas. Einer Gruppe der Alpingruppe
Adonis der Sektion Karpaten des DAV gelang es, unter der Leitung von
Vladimir Nogaller, diesen Berg am 01.08.03 zu besteigen, der den
Teilnehmern Einiges an Willen, Kraft und Glauben kostete.
Vladimir,
begleitet von seiner Frau Tatiana und seinem Sohn Ilia (17) lud zu
dieser Hochtour ein. Der Einladung folgten 9 Personen, wobei drei davon
nicht der Sektion Karpaten angehören. Vladimir hat in der Elbrus Region
seine Bergausbildung gemacht, war schon fünf mal auf dem Elbrus, lebt
jetzt in München und ist Mitglied unserer Sektion. Seine Erfahrung hat
natürlich ein wesentliche Anteil an unserem Erfolg, da eine gute
Organisation die halbe Miete ist, wenn man so eine Berg besteigen möchte.
Nicht alles lief rund, da einige Teilnehmer die Bedingungen in Russland
mit westlichen Maßstäben gemessen haben und die russische Disziplin
sich mit dem „demokratischen“ Denken nicht immer vereinbaren ließ.
Die Unzufriedenheit einiger Mitglieder wirkte sich negativ auf das
Gruppenklima aus, doch der Optimismus der Andern siegte in den meisten Fällen.
Die Kaukasuskette, 800 km lang, liegt zwischen dem Schwarzen und dem
Kaspischen Meer in der Kabardino Balkarischen Autonomen Republik die zu
Rußland gehört. Über dem Hauptkamm verläuft die Grenze zu Georgien.
Die Alpinbase Elbrus im Adylsu Tal war unser Ausgangspunkt. Die
Eingehtour machten wir auf dem Kaschkatasch Gletscher, wo Vladimir
Eisgehen und Eisklettern vortrug. Am nächsten Tag führte uns der Weg
über blühende Wiesen mit unzähligen Blumenarten auf ein 2800 m hohes
Plateau, „Grünes Biwak“ genannt. Hier schlugen wir die Zelte in
aller Eile auf, weil der Regen einsetzte, der die ganze Nacht anhielt.
Unser nächstes Gipfelziel hieß Gumatschi, ein 3800 hoher Berg. Über
einen Mörenenrücken gelangte man auf den Gletscher, danach folgte eine
Kletterei über einen Grat der zum Gipfel führt. Der Abstieg folgte über
einen schmalen Schneegrat, wo wir zwei Seillängen (100 m) gesichert
haben. Auch in der zweiten Nacht regnete es ununterbrochen, was dazu führte,
dass einige Zeltböden wasserdurchlässig wurden. Somit beschlossen wir
wieder zur Alpinbase zurückzukehren.
Von dem Hauptkamm, auf dem wir uns befanden, konnte man den Elbrus gut
sehen, da er mit einem Ausläufer verbunden, 10 km nördlich davon
liegt. Ein wahrer Riese, weil keine anderen Gipfel diese Höhe
erreichen, der trotz seinen geschmeidigen Form das Landschaftsbild
dominiert. Es ist ein vulkanisches Massiv in der Form einer Halbkugel,
die eine Grundfläche von 18 km hat, oberhalb von ca. 3000 Hm mit einem
Eispanzer (145 qkm) bedeckt ist und nicht weniger als 70 Gletscher talwärts
fließen. Der Berg hat zwei Köpfe, den Westgipfel 5642 m und den
Ostgipfel 5621m, 1,5 km Luftlinie voneinander entfernt.
Da die Wetterbeobachtungen Vladimirs Gutes voraussagten, beschloss er
den Gipfel in Angriff zu nehmen. Somit fuhren wir zur Asau-Wiese, um von
dort mit 2 Seilbahnen und einem Sessellift zur Garabatsch-Wiese, 3700 m,
zu gelangen. Hier gibt es mehrere Übernachtungsmöglichkeiten in Fässer
ähnlichen Gebäuden. Wir setzten unseren Weg fort, der nun nur noch über
Gletscher führte, zur „Prijut 11“ Hütte. Die alte Hütte gibt es
nicht mehr, da diese 1998 abbrannte. Jetzt stehen dort zwei
„Privatschuppen“ mit jeweils 35 Übernachtungsmöglichkeiten.
Vladimir hatte vorreserviert, weil man ansonsten keine Chance hat, einen
Platz zu bekommen. Deshalb zelten sehr viele Bergsteiger aus aller Welt
auf dieser Höhe. Ca. 30 Zelte befanden sich zu diesem Zeitpunkt dort,
die in dem Schnee wie bunte Stecknadeln auf einem weißen Kissen
aussahen. Um der Höhenkrankheit vorzubeugen, da ab 5000m der Luftdruck
auf die Hälfte des Normaldrucks sinkt, empfiehlt sich eine weitere
Eingehtour. Das taten wir auch und stiegen am kommenden Tag auf 5000 m
an und kehrten zurück zur „Prijut 11“ Unterkunft. Die Versuchung in
Richtung Gipfel zu gehen war da, weil er optisch zum Greifen nah schien.
Eine gewaltige Täuschung, wie wir nächsten Tag feststellen konnten. Am
nächsten Morgen 1 Uhr Früh klingelte die Uhr. Eine Stunde später,
nachdem wir Tee tranken und eine Kleinigkeit aßen, machten wir uns auf
den Weg zum Elbrus. Der Himmel hing voller Sterne, der steile Hang
voller Lichter der Stirnlampen, die sich wie Perlenketten aneinander
reihten. Vladimir führte uns in Schlangenlinie in einem angemessenen
Tempo den Hang hinauf, der keine bergsteigertechnische Schwierigkeiten
aufweist. Im Jahr 1829 betrat der erste Mensch den höchsten Punkt des
Kaukasus, 1890 erstellte der russische Militärtopograph die erste
physikalische Karte. Adelheid kehrte nach einer Stunde Marsch zurück,
nicht wegen der fehlenden Kondition, sondern weil es ihre innere Stimme
befohlen hatte. Bei 5200 m musste auch Tatiana zurückkehren, da sie anfällig
auf die Höhenkrankheit reagiert. Im Sattel, auf 5400 m sollte auch
Ilia kehrt machen, weil seine Kräfte nachgelassen hatten. Detlef
und Dirk setzten sich ab und erreichten nach 7½ Stunden den Gipfel. Der
Rest der Gruppe, Vladimir, Rudi, Karin, Egin und meine Wenigkeit standen
eine Stunde später auf dem Westgipfel des Elbrus, 5642 m, dem höchsten
Berg Europas. Nur wenige Quellwolken hingen am Himmel. Somit war der
Blick frei auf die Kaukasuskette, die mit ihren zwei höchsten Gipfel
die Uschba, 4696 m und die Schchelda, 4368 m prangte. Das Gipfelfoto mit
der Vereinsfahne als Zeichen der Verbundenheit mit unseren Gruppen- und
Sektionsfreunden, war ein ergreifender Moment. Noch einmal ist die
„Eroberung des Sinnlosen“ zur Befriedigung des Geistes geworden.
Unvergessen bleiben wird der Sonnenaufgang, das Spiel des Nebels mit den
Sonnenstrahlen und Gipfelkuppen, der gewonnen Kampf mit sich selbst und
die Erkenntnisse menschlichen Verhaltens.
Zurück im Elbrusbasislager beschlossen wir, noch einen Berg zu
besteigen, den Elefanten, 4271m, so genannt, wegen seiner Form, die auf
einen Elefantenkopf hindeutet. Wir zelteten beim „roten Biwak“ doch
es regnete und schneite erneut die ganze Nacht. Der Weg Richtung Gipfel
führte durch einen sehr großen zerklüften, wilden Gletscherbuch mit
scheinbar endlos tiefen Spalten. Da eine Nassschneelawine uns warnte
weiter zu gehen, brachen wir die Tour ab.
Der Rückflug
ging über St. Petersburg, wo wir zwei Tage bleiben sollten. Die 5
Millionen Metropole, die unlängst ihren 300 Geburtstag feierte,
beeindruckte mit ihren unzähligen Sehnwürdigkeiten, den Menschenmassen
auf den breit angelegten Boulevards, mit den Flussarmen der Newa, über
die schöne Brücken die Stadtteile verbinden. Die Peter und Paul
Festung, die Eremitage, die Isak und die Auferstehungskirche, das
Denkmal des „Ehernen Reiters“, Peters des Großen, der Palast
Zarskoje Zjelo, mit dem berühmten Bernsteinzimmer, sind einige
Prachtgebäude, die in der Zarenzeit erbaut wurden und uns alle sehr
begeisterten.
Die Teilnehmer waren: Gäste: Hans Ritschmann, Iosef Heinl, Rudolf Dürr.
Sektionsmitglieder: Vladimir, Tatiana und Ilia Nogaller, Karin und Egin
Scheiner, Adelheid Breckner, Dirk Nägler, Detlef Schlosser und Kraus
Reinhold.
Ein Riesenkompliment an die Ältesten der Gruppe Rudi 68 Jahre und Egin
63 Jahre.
Reinhold
Kraus |