Bilder aus Afrika - Februar -2004                  von Detty Schlosser

Teilnehmer der Tour: Detty, Stefan, Mirek und Reini

Die zwei höchste Berge Afrikas bestiegen

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Die zwei höchste Berge Afrikas bestiegen

Vom 13.02.2004 – 07.03.04 haben Mitglieder der Alpingruppe Adonis der Sektion Karpaten des DAV den Mount Kenya 5199m und den Kilimanjaro 5895m bestiegen, Safaris in drei Nationalparks Afrikas erleben dürfen, einen Einblick in das Leben der Masai und der Stadtbevölkerung erhalten, sowie Kulturstädten in Nairobi besucht. Die Teilnehmer waren: Schlosser Detlef, Stefan Kovacs, Frasek

Ich denke, dass es jedem so ergehen wird wie mir, der zum ersten mal nach Afrika reist: Begeisterung über die Kunststücke der Natur, staunen über die Lebensart einiger Stämme, nachdenklich gestimmt von der sozialen und wirtschaftlichen Lage dieser ostafrikanischen Länder Kenia und Tansania. Nach intensiver Vorbereitung wie Joggen, Bergsteigen, Informationen einholen, Impfungen, Visum und Flug buchen, begann unsere Reise auf dem Münchner Flughafen. Über Dubai erreichten wir nach 12 .Stunden Flug gegen Mittag Nairobi, die Hauptstadt von Kenia, mit einer Bevölkerung von fast 3 Millionen Einwohnern, einer Weltstadt, in der viele internationale Organisationen ihren Sitz haben, aber auch die größten Slums Ostafrikas zu finden sind. 70 % der Kenianer sind Christen, 6% bekennen sich zum Islam und 19 % sind Mitglieder der traditionellen Religionen afrikanischen Ursprungs. Es war kein Zufall, dass wir zu dieser Jahreszeit dort waren, da von Dezember bis Mitte März die Trockenzeit ist, und es nämlich wenig Regen, jedoch die höchsten Temperaturen gibt, im Schnitt zwischen 18° und 30° Grad.  Nairobi liegt auf 1700 Hm und somit wirkte die Hitze nicht erdrückend. Frieda, die Taxifahrerin, war unsere erste Kontaktperson auf dem Kenyatta Flughafen, höflich, entgegenkommend, fröhlich und geschäftstüchtig, Eigenschaften, die wir bei den meisten Afrikabürgern denen wir begegneten, feststellen konnten. Frieda vermittelte uns gleich einen „Operator" einen Reiseveranstalter, mit dem wir nach kurzem Verhandeln unsere Tour auf den Mount Kenia organisierten. Das heißt, Transport zu dem Berg, Verpflegung, Führung. Gehen muss man allerdings selbst . Mit einem Jeep fuhren wir am nächsten Morgen in die Stadt Nanyuki, 250 Km entfernt, wo auch heute noch britische Soldaten stationiert sind. Kenia war eine britische Kolonie die durch die Mau- Mau Bewegung 1920 - 1957, ein blutiges Ende fand. Dabei verloren 11.000 schwarze Mau-Mau Aufständische ihr Leben, 600 Sicherheitskräfte, darunter ca.100 Weise. 1963 wurde zwischen der KANU (Kenia African National Union) und dem Duke of Edinburgh die Unabhängigkeitserklärung unterschrieben. Jomo Kenyatta wurde erster Staatspräsident und blieb dies bis zu seinem Tod 1979. Heute hat Kenia eine parlamentarische Demokratie, in der alle fünf Jahre neue Wahlen stattfinden. Zurück zu unserer Bergtour. Wir hatten uns für die Naro Moru Route entschieden, eine von vier Routen die auf den Mount Kenia führen. Beim Eintritt in den Nationalpark trafen wir uns mit unserer Begleitmannschaft, die sich aus einem Bergführer, einem Koch und 8 Trägern zusammensetzte. Warum so viele Träger? Zu einem hat das mit der großen Arbeitslosigkeit (60 %) zu tun, zum anderen weil man die ganze Ausrüstung und das Essen hoch tragen musste und nicht zuletzt um den Touristen einen guten Service zu bieten. In der Früh stand eine Waschschüssel mit warmen Wasser vor unserem Zelteingang, danach verkündete eine zaghafte Stimme „  Sirs your breakfearst is ready". Kaffee, Schoko, Omeletten, gebratene Wurst, Haselnuss- und Kirschenmarmelade, sieben Sorten frische Südfrüchte gehörten dazu und das sollte sich auch auf 4700 m nicht ändern. Bei dem Mittagessen und/oder Abendessen wurde Suppe und meist Hühnchen mit Bratkartoffeln oder Reis serviert. Zwischen den Mahlzeiten gab es frisches Popkorn oder warme Haselnüsse. Unsere Riegel blieben all die Tage unberührt im Rucksack..  Wir mussten uns daran gewöhnen verwöhnt zu werden. Die Übernachtungsstationen waren die Meteo Station, 3048m, das Meckinders Camp, 4300m, benannt nach dem Erstbesteiger des höchsten Gipfels dem Batian ,5199m ,im Jahr 1899, und Austrian Hut, 4790m, der Ausgangspunkt zu den Gipfeln des höchsten Berges Kenias. Der Name des Landes leitet sich von diesem Berg ab, da das Volk der Kamba ihren heiligen Berg „Kiinyaa" nannten. Durch den Schweizer Missionar Ludwig Krampf, der um 1849 hier verweilte, kam das Land zu seinem Namen „Kenia". Als Krampf zum ersten mal in Europa von Schnee und Eis bedeckten Bergen am Äquator erzählte, glaubten ihm selbst anerkannte Forscher nicht. Erst vierzig Jahre später sollte eine österreichisch – ungarische Expedition unter Leitung von Graf Sammuel Teleki von Szek bis auf 4250m hochsteigen und diese Aussage bestätigen. Schon aus der Ferne bietet der vulkanisch entstandene Mount Kenia mit seinen schneebedeckten und zerklüfteten Kuppen ein grandioses Bild. Beim Aufstieg passiert man fünf verschiedene Vegetationszonen. Ein Waldgürtel mit Zedern, Steineiben und Kampferbäumen als dominierende Baumarten, erstreckt sich über die erste Vegetationszone in einer Höhe von 2000 - 2400m, daran schließt die Bambuszone bis in Lagen von 2800 m, gefolgt von einem dichten Regenwald (Montanwald genannt) bis 3300 m an. Zu der großen Pflanzenvielfalt gehören die Hagenia Bäume, Orchideen, hohe Farne und überall Moose. Es folgt die Baumheide und Moorlandzone, eine märchenhafte Landschaft die von riesigen Lobelien die bis zu 7m hoch wachsen und dem Riesenkreuzkraut welches bis zu 4m hoch wachsen kann, geprägt ist . Ab 4500m beginnt die Fels und Gletscherzone, in der nur noch Moose und Flechten überleben. Die Gehzeit zwischen den Lagern betrug im Schnitt vier Stunden, auf gut ausgetretnen Wegen, somit  für jeden der gerne wandert machbar. Von dem letzten Lager, Austrian Hut war es nur noch ein Katzensprung, eine gute Stunde Gehzeit, bis zu dem Trekkinggipfel Point Lenana 4985m, von dem aus man die andern Täler und einige Seen bewundern konnte. Hier machten wir unser erstes Gruppenfoto mit unserer mitgebrachten Vereinsfahne. Das erste Ziel war erreicht und wie immer auf dem Gipfel die Freude groß. Den Tag darauf überquerten Stefan und ich einen Gletscher um zu dem Ausgangspunkt der Kletterroute zu gelangen, die auf den Nelion Gipfel, 5188m führt. Die 350m hohe steile Wand flößte uns bei ihrem Anblick Respekt ein und die Beschreibung sagt, das die Wand schwerer als die Besteigung des bekannten Materhorns ist. Es war 7 Uhr als wir angeseilt die erste Seillänge hinaufkletterten. Wir hatten Glück, dass die Sonne nicht lange auf sich warten lies. Doch hier gibt es keine Routenkennzeichnung und somit war es sehr schwer, den idealen Weg in dem Gelände zu finden. Nach sieben Stunden und 13 Seillängen, zum Teil bis zum fünften Schwierigkeitsgrat, haben wir uns im letzten Drittel der Route verstiegen, und beschlossen, aus Zeitgründen unseren Aufstieg hier abzubrechen. Wir seilten ab und sind noch am gleichen Tag zum Mekinder´s Camp abgestiegen, wo wir Detlef und Mirek wieder trafen, die den Mount Kenia an diesem Tag in ca. 5 Stunden umrundeten und begeistert waren von der abwechselungsreichen Landschaft, sehr karg nahe am Berg und dem Grün in den Tälern.

Nach dem Abstieg fuhren wir zurück nach Nairobi um am nächsten Tag auf Safari in den Masai Mara Nationalpark zu fahren. Zur Zeit stehen 8% der Landfläche Kenias unter Naturschutz, organisiert in 26 Nationalparks und 30 Reservate (die Bevölkerung hat in den Reservaten Weiderecht). Da die Straßen, die zu dem Nationalpark führten, verdammt schlecht waren, verwunderte es uns nicht, das unser Jeep, von der einen oder anderen Panne nicht verschont blieb, jedoch gab es immer eine technische Lösung, gemäß dem Motto,„Hakuna Matata" das heißt: kein Problem. Am nächsten Morgen, herrschte natürlich gespannte Erwartung, und nachdem wir das Dach des Jeeps, nach kurzer Fahrtzeit öffneten um freie Sicht zu haben, wurden wir nicht enttäuscht, ein Löwenrudel durchstreifte gelangweilt die Savanne.  Zebras, Thomsongazellen, Büffelherden, Gnus, Strauße, Kronenkraniche, um nur einige Tierarten zu nennen, grasten in aller Ruhe das frische Gras der Savanne. In Tansania besuchten wir den Tarangeri Nationalpark. Hier beeindruckten uns nicht nur die Tiere, sondern auch die Landschaft, die von den Affenbrotbäumen (Baobab), sowie von Dattelpalmen, dem Leberwurstbaum, dessen Früchte tatsächlich wie Leberwürste aussehen und den vielen Termitentürme, geprägt ist. Eine Herde von Hunderten Elefanten und eine viele Giraffen, sowie unzählige Vögel begeisterten uns. In Nordtansania befindet sich auch das Reservat Ngorongorokrater, der als Wildschutzgebiet unter dem Schutz von UNESCO steht. Der größten Krater der Welt hat einen Durchmesser von 22 km, mit einer Fläche von 250 Km2, der Kraterboden liegt 600 m tiefer als der Kraterrand. Auf diesem Präsentierteller, der nur an einem Rand mit einem Akazienwald bewachsen ist, leben 25 000 Großtiere. Ein Wegweiser auf einer Schotterstrasse die den Krater durchstreift stand „Hippo Pool", wo wir die Nilpferde beim Baden beobachten konnten. Unweit davon spazierte eine Gepardenfamilie dahin, ein Fuchs verfolgte ein Jungtier der Thomsongazelle, während etwas weiter ein Nashorn alleine vor sich hin graste,  und auf dem See Hunderte von Flamingos in dem Sodahaltigen Wasser ,nach Algen suchten.  Am Himmel zogen Falken ihre Kreise.

Der Kilimanjaro, mit seiner weißen Mütze, ist ein alleinstehender Berg mit vulkanischer Herkunft, der  vor 200 Jahren seine letzte Tätigkeit hatte, und ein „deutscher" Berg ist. Tansania war bis 1918 eine deutsche Kolonie. Der Kibo wurde nämlich von einem Deutschen (Rebmann ) entdeckt von einem Deutschen (Decker) zum ersten mal untersucht und letztendlich von dem deutschen Geographen Dr. Hans Mayer nach drei Versuchen im Oktober 1889 bestiegen, erforscht und ihn durch seine Bücher bekannt machte. In der Swahili Sprache heißt er „Berg des Bösen Geistes" und in der Masai Sprache „das Haus Gottes". Beide Namen verraten das der Berg für die Einheimische ein mystischer Ort ist. Mit dem Reisebüro African Trail aus Arusha, der drittgrößten Stadt Tansanias, die uns diesmal die Träger stellte, ging es von dem Machame Gate, 1800m Richtung Kilimanjaro los.

Diese Route führt über folgende Lager: Machame, 3100m, Shira, 3800m, Karanga, 4250m, dem Ausgangslager zum Gipfel Baraffu Camp, 4600m und Kibo, insgesamt dauerte diese Tour fünf Tage. Auch hier führt der Weg durch mehrere Vegetationszonen wie beim Mount Kenia beschrieben, allerdings erstreckt sich der Regenwald auf eine größere Fläche. Auf dieser Route (Machame)  sind gut begehbare Stege, bis auf die Barafu Wand, die etwas Schwindelfreiheit erfordert. Clement unser Guide, sorge immer dafür, dass kein Müll im Zeltlager zurückblieb. In den Lager sind Toiletten aufgestellt, und die „ Rangers" kontrollierten die Nationalparktaxe. Schneegraupel rieselte am Vorabend des Aufstieges auf unsere Zelte und wegen der Höhe konnten wir kaum schlafen. Um ein Uhr gingen wir bei einer Temperatur von minus 8 Grad los. Am Himmel leuchteten die Sterne, unten im Tal die Lichter der Stadt Moshi und auf dem Berg die Taschenlampen der Gipfelaspiranten. Nach und nach holten wir alle Mannschaften die eher gestartet sind, ( die meisten von ihnen, keine Bergsteiger) ein.  Für die 1300 Hm brauchten wir fünf Stunden. Der Steg der bis zum Gipfel über Steine und Geröll führt, war nur leicht mit Schnee gepudert. In ca. 5500m beim Stella Point legten wir eine Pause ein, da die Anstrengung bei dieser Höhe doch groß war. Um kurz vor sechs Uhr standen wir an diesem Tag als erste Mannschaft auf dem höchsten Punkt Afrikas, dem Uhuru Peak (Freiheitsgipfel) 5895m. Glückwünsche, Umarmungen, Foto mit Fahne. Nie vorher waren wir auf solcher Höhe. Bald tauchte am Horizont der Sonnenteller auf und versetzte den Gipfel in ein rotes Licht, ein Licht das ich so nie zuvor gesehen habe. Überwältigend! Die Aussicht war  herrlich! Etwas tiefer der 180m tiefe Kraterboden mit einem Durchmesser von 2 Km, unweit davon riesige senkrechte Gletscherbrüche, im Osten die Mawenzi Spitze, im Westen der Shira 3943m und aus dem Nebelschleier ragt der Kegel des Mount Meru, 4565m hervor. Ein Schluck Adoniszahnpaste und eine Zigarre, die Dety mitbrachte waren natürlich Pflicht. Mit erfülltem Bergsteigerherz begann der Abstieg (4200 Hm) über die Mewega Route. Gegen 16 Uhr erreichten wir den Eingang des Nationalparks, 1800m, wo ein Jeep auf uns wartete und uns nach Arusha brachte. Im Hotel Mezza Luna, feierten wir mit „Tusker" - kenianischem Bier – und bei guter afrikanischer live Musik unsern Erfolg. Glückwunsch an dieser Stelle an Stefan, Mirek und Detty, die sowohl in der Vorbereitung als auch auf der gesamten Afrikareise Großes leisteten, wobei Detty maßgeblich bei der Organisation beigetragen hat. 

In Nairobi besichtigten wir das Nationalmuseum, wo daran erinnert wird, dass die Wiege der Menschheit hier sein könnte und eine Kulturstädte am Rand der Stadt, Bomas genannt. Täglich wurden hier Volkstänze aus verschiedenen Regionen Kenias aufgeführt, mit den entsprechenden regionalen Trachten. Mit Trommeln, einem Seideninstrument, mit  Glöckchen an den Beinen und manchmal sogar mit einer Ziehharmonika zauberten die Künstler hinreisende afrikanische Rhythmen. Hier gibt es auch ein Dorfmuseum, in dem Behausungen von verschiedenen Volksstämmen ausgestellt sind. Die meisten sind runde Hütten, aus Lehm und Holz, andere viereckig aus Stroh. In Kenia gibt es 43 Volksgruppen,  unter anderem die Nioten, Kalenjin, Kisii, und die wohl bekanntesten, die Massai, wobei die Kikuyu das größte und wirtschaftlichste Volk sind Es gibt noch etwa 100.000 Massai, die noch ganz primitiv als Nomaden in den Savannengebieten leben. Die bunt karierte Kleidung und der farbenfrohe Glasschmuck, ihre Tapferkeit im Kampf mit den wilden Tieren machten sie berühmt. Ihre traditionelle Existenzgrundlage ist das Vieh: Rinder, Schafe und Ziegen. In einigen Regionen betreiben sie auch Landwirtschaft. 

In Erinnerung bleiben uns auch die vielen Märkte, die Gesichter der schwarzen Menschen, die Souvenirläden, die manchmal aufdringlichen Verkäufer, die rote Erde, der Viehmarkt der Masai, die weite Savannenlandschaft, aber auch die Slums von Nairobi, die Straßenkinder und die Armut, aber auch die Erkenntnis, dass die Länder im Aufbruch in eine neue Zeit sind. 

Der Rückflug mit den Emirats Airline begann mit einer Verspätung, was dazu führte, dass wir in Dubai eine Nacht in einem sehr nobeln Hotel „ Millenium" verbrachten.  Wir ließen es uns nicht nehmen, dass einzige Siebensternehotel der Welt „Burj al Arab" zu besichtigen. Das Hotel, das die Form eines Segelschiffs hat, wird in der Nacht mit verschiedensten Farben beleuchtet, die sich im Arabischen Golf spiegeln. Mit dieser Märchenweltkulisse und mit den vielen neuen Eindrücken aus Afrika, landeten wir zufrieden in München. Afrika ist eine Reise wert.

Reinhold Kraus

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Grete & Horst Kraus     Stand: 05. November 2004