Wandern im Kaiser - Juni - 2004

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Das Totenkirchl 2190m

 

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BERGTOUR AM WILDEN KAISER 25.-27.06.2004(EIN PAAR ZEILEN ZU DER TOUR VON SIGRID MITTERER)

  Am letzten Juniwochenende hatte Sigi zur Bergtour in den Wilden Kaiser eingeladen.
Der Einladung folgten 14 begeisterte Wanderer und Kletterer. Dabei waren: Edith und Günter Schnabel, Tatiana und Vladimir Nogaller mit vier Freunden aus Israel, die das erste Mal in den Alpen waren, Altraud Nikolaus, Emma Maurer, Grete, Horst, Reinhold und Michael Kraus und Sigrid Mitterer als Leiterin der Tour. Für mich persönlich sollte auf dieser Tour die Sommersaison in den Bergen endlich beginnen. Nach der langen Schitourenzeit freute ich mich auf das Wandern mal ohne Schier.
Als Treff- und zugleich Stützpunkt für das gesamte WE war das Stripsenjochhaus ausgewählt worden. Da wir am Freitag frei hatten, reisten Emma, Sigi und ich schon am Vormittag an. Bei heftigem, aber kurz andauerndem Platzregen stiegen wir aus dem Kaiserbachtal zur Hütte auf. Von der Griesener Alm am Talende kann man die Hütte auf 1577m Höhe den ganzen Weg lang sehen. Trotz Nässe waren wir gut unterwegs und erreichten nach einer guten Stunde das Stripsenjochhaus. Nach einem heißen Kaffee räumten wir unsere Rucksäcke ins Lager. Da die restlichen Kameraden erst am Abend kommen sollten, machten wir uns auf den Weg um unseren ersten Gipfel zu besteigen. Der nahe gelegen Stripsenkopf, Hausberg der Hütte, bot uns eine sehr schöne Fernsicht. Nach den Regen der letzten Tage stiegen große Dunstwolken die Hänge empor und das Licht der tief liegende Sonne brach sich in einem herrlichen Regenbogen. Über einen kleinen Umweg gelangten wir zurück zur Hütte, wo wir auf unsere Freunde warten wollten.
Im Laufe des Abends wurde die Gruppe vollzählig und wir genossen unseren ersten Hüttenabend und erkundigten uns bei Sigi über den Verlauf des morgigen Tages.
Da es auch für andere die erste Bergtour heuer war, sollte es eine Eingehtour werden.
Unser Insiderwissen ließ uns bei dem Wort „
Eingehtour“ aufhorchen. Der Begriff ist mehrdeutig und sollte den Kern des ersten Wandertages mehr als nur treffen. 
Nach einer für jeden geruhsamen Nacht und einem ausgiebigem Frühstück packten wir unsere Rucksäcke. 

Tatiana, Vladimir und Reini wollten eine leichte Route zum Totenkirchl klettern, die sogenannte Merzbacher Route. Gottfried Merzbacher war der erste Alpinist der im Jahr 1881 auf das Totenkirchl kletterte, welches bis dahin als unbesteigbar galt. Berühmt wurde er auch durch seine Forschungsreisen in Ceylon und Kaukasus, die er in mehreren Büchern festhielt. Zur Zeit gibt es Feiern zu seinen Ehren, an der sich die Sektion Karpaten beteiligt. Reinhold erzählte über ihren Aufstieg: "Im zweiten Teil der Route wurde es immer schwerer. Die Ungewißheit wie es weiter geht zerrte an unseren Nerven. Vladimir kletterte zum Teil bis zu 15 Hm ungesichert an den blanken Wänden, Felsnadeln und Kaminen empor, weil es nicht anders ging. Der Mann hat Nerven aus Stahl. Zuschauen war anstrengender als selbst zu klettern. Hoffentlich geht alles gut. Nach 10 Stunden erreichten wir das Kreuz auf dem Gipfel des Totenkirchl, 2190m. Erleichterung und Freude ersetzten die Anspannung und Angst"

Der Rest wollte über das Hans-Berger-Haus auf 936m zur Vorderkaiserfeldenhütte auf 1388m am Zahmen Kaiser wandern. 
Gut gelaunt verabschiedeten wir uns von den dreien und wanderten zunächst talwärts. In langen Kehren ging es durch den frisch ergrünten Bergwald gemächlich voran. Die Frische des Morgens vertrieb uns die Starre aus den Beinen und wir wurden richtig munter. Sigis Kenntnis der Gegend verdanken wir einen Abstecher zu einem lichten Ort im Wald. Hier auf einer Wiese blühten die sehr seltenen Frauenschuhe. Von hier aus konnte man auch die Westwand des Totenkirchl erspähen wo unsere Kletterer zum Gipfel empor wollten.
Der Steig führte uns weiter hinab ins Kaisertal nach Hinterbärenbad, dem tiefsten Punkt der Tour. Hier überquerten wir den Sparchenbach und von nun an ging wieder bergauf. Wir kamen nun leicht ins Schwitzen weil es nun auch ein sehr warmer Sommertag wurde. Am späten Mittag erreichten wir die Vorderfeldenkaiserhütte wo wir unseren Tisch mit dem mitgebrachten Essen üppig deckten. Das kühle Bier von der Hüttenschenke rundete die Brotzeit ab.

Nach der Essenspause sollte nun der Rückweg zum Stripsenjochhaus angetreten werden. Sigi, Dita und die Freunde von Vladimir wollten den Höhenweg nehmen der, im Auf und Ab zurück zur Hütte führte. Die Anderen wollten nun über Naunspitze und Petersköpfl zum höchsten Punkt des Zahmen Kaisers, der Pyramidenspitze, 1997m hoch. Der Weg führte über den zuerst breiten Kamm des Berges entlang. Latschenwald säumte den Steig der zügig an Höhe gewann. Schnell wurden so die ersten zwei Gipfel des Tages erreicht, von wo man weit blicken konnte. Im Süden zeigte sich der Alpenhauptkamm noch verschneit und im Norden konnte man die nicht so hohen Chiemgauer Berge erkennen. Der Weg zog sich nun in die Länge und wurde schmaler. Wir konnten die Pyramidenspitze von weitem sehen. Es begann ein Auf und Ab und so kamen wir unserem Ziel nur sehr langsam entgegen. Ich fühlte mich erinnert an den Kamm des Königstein in den Karpaten. Am späten Nachmittag erreichten wir glücklich und zufrieden den Hauptgipfel, die Pyramidenspitze. Emma, Grete, Traudi, Günter, Horst und ich waren diejenigen die mitgebrachte Äpfel, Schokolade und Wasser untereinander teilten. Jetzt wurde uns auch bewusst dass der Rückweg zum Stripsenjochhaus uns noch bevor steht. 
Bis hierher waren wir acht Stunden unterwegs und ein paar sollten noch folgen. Der Abstieg zum 500hm tiefer gelegenen Höhenweg zur Hütte wurde rasch bewältigt. Jetzt galt es nur noch die Bärentaler Wände zu umkurven und zum Stripsenjochhaus wieder hoch zu steigen. Die Sonne sank jetzt immer tiefer, da wir aber aufwärts gingen, konnten wir das Tageslicht ein wenig länger nutzen. Praktisch mit dem letzten Sonnenstrahl erreichten wir die Hütte, wo uns Sigi und die anderen in Empfang nahmen. Eine zwölf Stunden Tour, die übliche Bezeichnung für eine Eingehtour bei der Adonis. Wir waren zwar geschafft aber sehr zufrieden über den tollen Tag am Berg.

Zu unserer Überraschung waren unsere drei Kletterer auch noch nicht zurück! Sie hatten also auch eine Eingehtour aus dem Tag gemacht. Eine halbe Stunde später kamen auch Tatiana, Vladimir und Reini auch zurück. Bis in die Nacht hinein erzählten wir von unserem Tag am Berg. Gestenreich wurde das Erlebte erzählt und die Zuhörerschaft nickte verständnisvoll mit breitem Grinsen wenn die Schwierigkeiten der Tour beschrieben wurden. Dazu leuchteten an den Wänden des Wilden Kaiser die bei anbrechender Dunkelheit entzündeten Sonnwendfeuer.
So ging ein herrlicher Tag zur Neige.

Der Sonntagmorgen kam viel zu früh. Wir waren noch recht müde vom langen Vortag. Jedoch wollten wir heute den Eggersteig zum Ellmauer Tor gehen und so blieb keiner lange im Bett liegen. Ans Wandern jetzt gewöhnt, viel uns jetzt das Hochsteigen leicht. Vom Erfolg des Vortages ganz locker, stiegen wir die Rinne zwischen Fleischbank und Predigtstuhl hinauf. Auf dem oberen Schneefeld umgingen wir eine frühe Steinlawine und konnten dann im Ellmauer Tor das Panorama der Berge genießen. Das Ellmauer Tor ist genau so hoch wie die Pyramidenspitze, heute wollten wir aber höher hinaus. Von hier führt ein Weg auf die nahe gelegene Hintere Goinger Halt auf 2192m Höhe. Links uns rechts des Wilden Kaisers zogen Gewitter vorbei so dass das Surren des Gipfelkreuzes von Weitem zu hören war. Da wir nicht als Blitzableiter dienen wollten, stiegen wir noch vor dem Gipfel wieder ab. Unsere Entscheidung wurde belohnt, der Regen zog vorbei und wir konnten uns beim Abstieg bei schönstem Sonnenschein Zeit lassen.
Die Tour wurde im Tal beendet mit einem Abschiedsessen. Bei Forelle in vielen Variationen wurden wir uns schnell einig auf Sigis nächster Tour wieder dabei zu sein.

Also sehen wir uns schon bald in der Pala wieder.

Bis dahin! Berg Heil!
Michael Kraus

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Grete & Horst Kraus     Stand: 05. November 2004